Messor cf. capitatus für Anfänger [feat. Königin Mangoruby]

Unterfamilie: Myrmicinae

März 2014 – Das Zweite Messor-Jahr

Beitragvon Schmerle » 1. April 2014, 17:15

März 2014 – Das Zweite Messor-Jahr



Zusammenfassung der letzten Saison:

- ca. 30 Arbeierinnen erhalten, Ende des Jahres waren es ca. 50
- Verluste während der Winterruhe – keine! :spin2:
- Frühling 2014 – Start der neuen Saison mit ca. 50 Arbeiterinnen

Letztes Jahr gab es so gut wie keine Außenaktivität. Es waren im Schnitt bloß 1-2 Arbeiterinnen draußen. Die Tränke wurde nicht angenommen, Insekten anfangs sehr gut, ab Anfang August überhaupt nicht mehr. Größtes Problem war ein mysteriöses Sterben frisch geschlüpfter Media-Arbeiterinnen, während die Minor-Arbeiterinnen nicht betroffen schienen. Ende August begaben die Tiere sich bereits in Winterruhe. Sie verbrachten diese bei 8-12 Grad im unbeheizten Hausflur. Es gab keine Verluste und Ende März erwachten sie von allein, ohne dass ich sie wärmer gestellt oder beheizt hätte.


Wie alles erneut beginnt

Die Ameisen sind nun in der frisch renovierten Arena. Ich habe neuen Sand eingefüllt und zusätzlich eine Kunstpflanze, die für die Aquaristik gedacht ist, eingesetzt sowie Kieselsteine und Kiefern- sowie Lerchenzapfen.

Beide RG sind nicht verdunkelt, da die Kolonie in den Ytong umsiedeln soll, den ich in wenigen Tagen anschließe. Damit es nicht zu hell ist, steht eine 3D-Aquarienrückwand als Lichtschutz vor dem Becken, so dass es von drei Seiten beschattet wird. Die Vierte Seite zeigt nicht zum Fenster, sondern in den Raum hinein, so dass es in der Arena schön dämmrig ist, die Tiere also nicht zu sehr gestresst werden.


April 2014

Die Ameisen sind deutlich aktiver als letztes Jahr, als ob sie sich über den Winter erholt hätten. Nicht nur, dass immer mindestens 10 Arbeiterinnen draußen aktiv sind, sie bewegen sich auch schneller und wirken neugieriger.

Innerhalb des ersten Monats hat die Gyne einen ganzen BERG an Brut erzeugt!
Ich kann nicht sagen, ob es Eier oder Larven oder Puppen sind, aber es ist mindestens so groß wie zwei Erbsen. Ich bin voller Hoffnung!

Inzwischen ist eine Arbeiterin gestorben.

Mir ist die Vogeltränke ausgelaufen, aber wider Erwarten haben sich die Ameisen zwar für den feuchten Sand interessiert, jedoch nicht angefangen zu graben. Ab und zu sehe ich eine an der neu gefüllten Tränke trinken.

Eine Fliegenmade gab es schon. Entweder ist sie vertrocknet oder wurde ausgesaugt, jeden Falls ist sie nun ganz flach und braun und liegt auf dem Müll.

Erstmalig habe ich eine kleine Ecke Banane in den Fressnapf gelegt und schon eine halbe Stunde später ist sie voller knabbernder Arbeiterinnen!


Fazit:

Ich freue mich, dass die Messoren so aktiv sind dieses Jahr und hoffe, dass diesmal nicht wieder so ein rätselhaftes Sterben beginnt. Schön wäre es, würden sie in den Ytong ziehen, wenn nicht, ist das schade, aber auch ok, Hauptsache, sie bleiben mir gesund und munter!
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AW: Messor cf. capitatus für Anfänger [feat. Königin Mangoruby] - Haltungsbericht

Beitragvon Schmerle » 7. April 2014, 15:36

Hier nun endlich ein paar Fotos :lies:
Die Arena mit den zwei RG-Nestern:

Bild

Die Ytong-Farm, die überflüssigen Kammern sind aufgefüllt mit Korkgranulat:

Bild

Die Verbindung der beiden Elemente.

Bild

Das sieht im Moment alles so unmöglich aus, da mein Ameisen-Regal noch nicht steht,
wo das ganze alles schön nebeneinander drauf passt.

Die 3D-Aquarienrückwand erzeugt dämmrige Lichtverhältnisse in der Arena, da die RGs nicht abgedunkelt sind. Ziel ist, nachdem die Ytong-Farm ein paar Tage erkundet wurde, die AQ-Rückwand zu entfernen, so dass die Ameisen hoffentlich in das schön dunkle neue Nest umziehen.

Wenn sie sich dort eingewöhnt haben, werde ich schrittweise den "Verdunklungsstoffbeutel" entfernen, bis sie nur noch durch die rote Folie abgedunkelt leben, damit ich guten Einblick habe. Sollte ich jedoch das Gefühl haben, dass dies nicht ausreicht, werde ich das Ytongnest dauerhaft verdunkeln mit irgendeiner aufklappbaren Konstruktion.
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AW: Messor cf. capitatus für Anfänger [feat. Königin Mangoruby] - Haltungsbericht

Beitragvon Schmerle » 16. April 2014, 10:41

Sie ziehen um!



Kaum, dass der Ytong angeschlossen war, erkundeten die ersten Arbeiterinnen den Schlauch und das neue Nest.
Es wurden von Tag zu Tag mehr, die darin herumwanderten.

Seit ein paar Tagen schon sind immer ca. 10 Arbeiterinnen im Schlauch.
Seit gestern tragen sie die ersten Körner hinüber und lagern sie im Schlauchverbinder.
Auch die ersten Korkkrümel wurden umgelagert, teils in die oberste Kammer, teils in die Arena.

Heute habe ich die erste Arbeiterin gesehen, die eine dicke, fette Larve hinüber schleppte
und die ersten 15 Arbeiterinnen sind schon in die oberste Kammer gezogen :spin2:
Diese Kammer ist die feuchteste.

Ich bin gespannt, wann die Königin umzieht. Nötig wäre es, die Watte im RG ist am Rand schon bräunlich.

Ich bin gespannt!

Übrigens schaue ich aus Neugier mehrmals täglich in die Arena und unter den Beutel, achte jedoch darauf, dass Licht nur langsam stärker einfallen zu lassen
- die Ameisen zeigen keine Reaktion, wie zB schnelleres Laufen oder andere Anzeichen von Stress, offenbar haben sie sich daran gewöhnt.
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AW: Messor cf. capitatus für Anfänger [feat. Königin Mangoruby] - Haltungsbericht

Beitragvon Schmerle » 1. Dezember 2014, 15:14

Jahresabschlussbericht 2014



Leben und Sterben

Ich kann beim besten Willen nicht sagen, wie viele Ameisen ich nun habe, ich schätze 150. Auch über die Menge der Brut kann ich keine Angaben machen. Ca. 20-50 kleine Arbeiterinnen sind im Laufe des Sommers gestorben, hauptsächlich Pygmäen, Minore und einige wenige Media. Jedoch nicht auf so seltsame Weise wie letztes Jahr, sondern natürlich.


Erste Majoren

Es gibt ein oder zwei Majoren, die so groß sind, dass ich sie auf den ersten Blick mit der Königin verwechselt habe. Diese sind jedoch (leider) fast nur innerhalb des Nestes zu sehen.

Bild

Das Formikarium, provisorisch abgedukelt mit einem stylischen Stoffbeutel.


Umzug in das Ytong-Nest

Sie zogen innerhalb weniger Tage in den Ytong. Den Umzug der Königin habe ich (natürlich) verpasst, aber es war trotzdem hübsch anzusehen, wie sie ihre ganze Brut und ihre Vorräte hinüber brachten. Als erstes wurden die Körner herüber getragen, damit Majestät eine gefüllte Speisekammer vorfindet, dann vermutlich die Königin und dann die Brut und erst zum Schluss die Arbeiterinnen.


Errichtung eines Außenpostens

Sie errichteten einen Außenposten im Schlauch, in welchem sie einen Teelöffel Körner lagerten, ebensoviel Brut und ca. 10 Arbeiterinnen. Wenn wir den Ofen anfeuerten, schleppten sie teilweise die gesamte Brut dorthin, da es der wärmste Platz ist. Dann war auch ein Großteil der Arbeiterinnen dort zugange, aber niemals alle. Ein Teil blieb immer bei der Königin, ein anderer im Außendienst.

BildBild

Hier ist er, der Außenposten, zwecks Gemütlichkeit etwas abgedunkelt mit einem Babywaschlappen aus 100% Baumwolle. Inzwischen wurde er ersetzt durch schwarzen Fleece.



Die Mülldeponie

Der Müll wurde im Laufe des Jahres mehrfach umgelagert, von einer Stelle der Arena zur näöchsten. Übrigens kann auch ich die Beobachtung, dass die Messoren ihren Müll sortieren, bestätigen. Nächstes Jahr komme ich hoffentlich dazu, ein kleines separates Müllbecken anzuschließen, denn gut die Hälfte der Arena wird inzwischen von Abfall eingenommen.


Bergbau im Sand der Arena

Gegen Ende des Jahres lief mir mehrmals die Vogeltränke aus. Die Messoren begannen daraufhin umfangreiche Grabearbeiten, netter Weise an der Scheibe, so dass ich die Gänge anschauen konnte. Sie gruben auch zwei Kammern, doch wurde dieses Zweignest bis auf ein bis zwei darin gelegentlich schlafende Arbeiterinnen nicht genutzt.



Fütterung

Die Ameisen haben im Laufe des Sommers täglich ein Apfelstückchen bekommen, das sie aussaugten. Andere Früchte, darunter Banane, Melone, Nektarine und Pflaume, habe ich angeboten, dies wurde jedoch fast vollständig verschmäht. Nur ganz zu Beginn der Saison fraßen sie Banane. Gegen Ende der Saison ging auch das Interesse an Apfel zurück, es wurde gar kein Obst mehr angenommen, auch keine Fliegenmaden mehr. Lediglich Körner wurden weiterhin eingetragen.

An Körnern habe ich außer der Feinsaatmischung für Kanarienvögel, die sie regulär bekommen, auch geschälte Sonnenblumenkerne und Haferflocken angeboten. Die Haferflocken wurden sofort auf den Müll befördert, die Sonnenblumenkerne zwar eingetragen, aber nicht verwertet und später ebenfalls auf den Müll geworfen.

Zucker und Honig wurde beides weder pur noch als Wasser angenommen, nicht einmal gekostet.

An tierischer Nahrung habe ich ca. 1 x wöchentlich eine überbrühte und halbierte Fliegenmade angeboten, die teilweise im Napf ausgesaugt, teilweise zum Vorposten in den Schlauch transportiert und dort verwertet wurde. Ab und zu wurde die Made jedoch auch verschmäht.

Ich habe auch andere Insekten in den Napf gelegt, was so im Gartennapf des Hundes ertrunken ist, jedoch wurde nichts davon angenommen, auch nicht so filigrane Tiere wie Mücken.

Bild

Hier sieht man, wie beliebt das tägliche Apfelstückchen ist. Kein Wunder - ist ja auch echt Bio aus unserem Garten^^


Mitbewohner

Kleine, ca. 2-3 mm große, längliche Krabbeltiere bewohnen die Mülldeponie. Keine Ahnung, was das ist, aber sie gehen den Ameisen aus dem Weg, also scheinen sie nicht zu stören. Auch ein paar Fruchtfliegen sind zu dauerhaften Bewohnern des Formikariums geworden.


Winterrruhe

Ab September wurden die Ameisen extrem ruhig, jedoch wurde mir im Ameisenportal abgeraten, sie schon in die Winterruhe zu schicken, so dass ich sie erst im November kühl stellte. So richtig erkenne ich den Sinn des Tipps nicht, da die Ameisen wirklich schon fast vollständig ruhten.

Nächstes Jahr werde ich sie zeitiger wieder kühl stellen, sobald ca. 90% der sonstigen Außenaktivität eingeschränkt werden. Das habe ich letztes Jahr so gehandhabt und es gab während der Winterruhe nicht einen einzigen Verlust, auch kein Massensterben im Frühling. Mal sehen, wie es diesmal ist.

Sie überwintern dieses Jahr das erste Mal im Ytong. Ich bange etwas, da ich noch keinen hundertprozentig optimalen Intervall zur Befeuchtung gefunden habe, mal schauen.

* * *

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Re: Messor cf. capitatus für Anfänger [feat. Königin Mangoru

Beitragvon Schmerle » 18. März 2015, 15:31

Sie erwachen schon wieder!

Heute habe ich das erste Mal eine fouragierende Arbeiterin in der Arena entdeckt. Sie machte sich an der Wassertränke zu schaffen. Die Außentemperatur im Winterquartier betrug zu diesem Zeitpunkt 14,5 °C. Ich habe sicherheitshalber gleich mal Körner und ein Apfelstückchen in die Arena gegeben. Wie letztes Jahr auch schon, ist wieder einmal nichts vorbereitet von dem, was ich eigentlich alles vorbereiten wollte ... weder ist das Ameisenregal errichtet wurden, noch habe ich den Sand in der Arena gewechseln. Und das kleine separate Müllbecken ist auch noch nicht gekauft, vom Anbringen ganz zu schweigen.

Wenn die Messoren richtig munter sind, werde ich mal schauen, ob es ihnen gut geht, aber auf den ersten Blick konnte ich weder in der Arena noch im Nest Tote entdecken. Sie scheinen die Winterruhe ebenso wie letztes Jahr hervorragend verkraftet zu haben.

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Re: Messor cf. capitatus für Anfänger [feat. Königin Mangoru

Beitragvon Schmerle » 28. August 2015, 21:18

Das dritte Messorjahr


Ich habe momentan wenig Zeit, den Haltungsbericht zu aktualisieren, darum nur ganz kurz:

1.) Es müssen inzwischen ein paar hundert Tiere sein. Ich finde so gut wie überhaupt keine Toten, Messor capitatus müssen eine recht hohe Lebenserwartung haben. Und sie haben Esslöffelweise Brut.

2.) Sie graben in der Arena, sie unterminieren sie! Es sieht aus wie ein Naturschwamm aus Sand! Ich habe Angst, dass der Sand einstürzt und halte ihn feucht - weshalb sie noch mehr graben. Ein Teufelskreis! Ich denke fieberhaft über einen Plan nach. Habe Körner vergraben, in der Hoffnung, dass sie keimen und die Wurzeln das ganze etwas stützen.

3.) Sie brechen aus! Nicht massiv, nur ein bisschen - und zwar mit ihrem Müll. Ihre Mülldeponie befindet sich jetzt außerhalb der Anlage, sie schmeißen alles das Regal runter. Auch ihre wenigen Toten. Dort hängt ein Spinnennetz mit einer Zitterspinne, die sich dankbar von den Opferungen nährt. Die Zitterspinne holt sich auch die wenigen Ausreißer, was ich gut finde, auch wenn es mir leid tut. Aber auf eine Ameisenplage in der Wohnung habe ich keine Lust.

4.) Neue Proteinquelle erschlossen - Hundenassfutter! Am liebsten mögen sie Pedigree (das war nur eine Futterprobe, meine Hunde bekommen dieses Dreckszeug nicht!), sie fressen aber auch Schlachtabfälle und aufgeweichtes Trockenfutter (ProPlan Lachs&Reis). Sie haben übrigens Obst, wie auch schon letztes Jahr, fast nur am Anfang der Saison gefressen. Nach wie vor am liebsten Apfel.

5.) Diesen August machen sie keine Anstalten, schon in Winterruhe zu gehen. Sie haben einen neuen Standort - nicht mehr am Fenster auf dem Dachboden, sondern in einer Ecke unseres Wohnzimmers. Ob es daran liegt?

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Re: Messor cf. capitatus für Anfänger [feat. Königin Mangoru

Beitragvon Schmerle » 20. Mai 2016, 11:58

Frühjahr 2016 - Das vierte Messorjahr beginnt

Rahmenbedingungen - Chaos im Hause Schmerle

Bei mir ist es in den letzten Monaten drunter und drüber gegangen. Zwei Kinder waren schon da und ein Hund, nun zog auch noch ein sehr agiler Welpe ein - all das hat es zusammen ganz schön in sich. Hinzu kommen zwei Aquarien und natürlich die Ameisenfarm. Und nebenbeit gibt es ja auch noch Freunde und Familie. Der Arbeitsfaktor durch die Aquarien hat sich allerdings letzten Sommer unfreiwillig halbiert. Ihren jährlichen Sommerurlaub im Gartenteich haben 2015 meine Fische nicht überlebt. :( Ich weiß bis heute nicht, woran es gelegen hat, die Wasserwerte waren laut Tröpfchentest bestens und die Temperaturen haben auch gestimmt. Vielleicht ein Parasit oder ein Krankheitserreger? Das Aquarium stand lange fischlos da und veralgte, weil ich es nicht über mich brachte, es abzubauen. Warum ich hier im Ameisenforum von meinem Aquarium schreibe? Lest selbst!


Mitten im Chaos - Königin Mangoruby und ihre Töchter

Da das Formikarium mir langsam ein wenig eng erschien, habe ich eine kleine zusätzliche Laufstrecke angebracht mit einer kleinen Glaskammer genau vor dem Fenster. Der Plan war, dass sie darin ihre Brut sonnen können. Genutzt haben sie sie als Müllhalde.

Bild
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Das Formikarium bestand im Sommer 2015 also aus drei Elementen:

Arena: Glasbecken, 30 x 20 x 20 cm, 2 x 27 mm Bohrungen, in schattiger Zimmerecke
Solarium: Glasbecken,10 x 10 x 10 cm, 1 x 27 mm Bohrung, direkt vor der Scheibe des Südostfensters
Nest: Glasfarm XL , 30 x 20 x 5 cm mit Ytong-Nest
Laufstrecke: ca. 80 cm an Kunststoffrohren

Fazit: Für die damals drei Jahre alte Messor cf. capitatus Gyne und ihr Volk empfand ich die Größe des Formikariums so optimal. Das Nest war erst zur Hälfte freigelegt (die Ytong-Kammern sind mit Korkspänen gefüllt), so dass da noch Kapazitäten offen sind. Zur Erinnerung: Meine Kolonie wird nicht künstlich beheizt, weswegen sie vermutlich langsamer wächst als vergleichbare Messor-Kolonien. Dennoch gedeiht sie gut, die Kolonie wächst beständig und ich habe schöne große Majoren. Die genaue Anzahl an Ameisen kann ich leider nicht benennen und tue mich auch schwer mit dem Schätzen. Vielleicht 500?

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Der Chaoswinter - das Volk muss getrennt werden

Wie im vorherigen Beitrag schon geschrieben, begannen die Ameisen in der Arena zu graben, so dass im Herbst nicht das gesamte Volk im Ytong-Nest Einzug hielt. Ein Teil wollte lieber im Sand der Arena überwintern. Da ich die Arena nicht hätte aus dem warmen Wohnzimmer tragen können, ohne ein Einstürzen der Gänge zu riskieren, musste ich das Ytong-Nest mit der Königin abtrennen und überwinterte dieses auf dem kühlen Dachboden, währen die Arena im Wohnzimmer verblieb. Die Ameisen im Sand hielten trotz der Wärme eine abgeschwächte Winterruhe, in der sie nur wenig aktiv waren und wenig aßen und tranken. Im Frühjahr wollte ich die beiden Volkshälften wieder zusamenführen - doch wie sich herausstellen sollte, war das leider nicht möglich. Einige aus dem Dachboden-Nest ausgebrochene Arbeiterinnen wollte ich in die Arena verfrachten, um die Königin nicht bei der Winterruhe zu stören. Sie wurden von ihren Schwestern gestellt, gestreckt und getötet. :( Es war traurig mit anzusehen und ich hätte ihnen gern geholfen, aber da sich das Elend in den Kammern abspielte, die ich durch das Glas einsehen konnte, war eine Rettung nicht möglich. Es hat Stunden gedauert, ehe die Ärmsten tot waren und ihre verstümmelten Körper auf den Abfallhaufen verbracht wurden. Nun wusste ich, dass ich im Frühjahr ein Problem haben würde - denn nun hatte ich zwei Völker, aber nur ein Formikarium.

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Der Frühling, der fast das Ende von Königin Mangoruby bedeutet hätte

Es ist mir sehr unangenehm, aber ich werde ehrlich schreiben, was fast passiert wäre, damit andere davon lernen können und es hoffentlich besser machen. Zu Beginn des Jahres hatte ich eine Menge privaten Stress, zudem weder Platz noch Geld für ein zweites Formikarium. Die aggressive Restkolonie umbringen, um den Teil mit der Königin wieder einziehen zu lassen, brachte ich aber auch nicht übers Herz. Das Auswintern wurde immer weiter nach hinten verschoben und irgendwann traute ich mich nicht mehr, nach den Ameisen auf dem Dachboden zu sehen - ich war der festen Überzeugung, sie müssten inzwischen vertrocknet sein. So schob ich es noch länger vor mich her, bis ich mich Ende Mai(!) anstatt Anfang April, also zwei Monate später als sonst, dazu überwinden konnte. Zu meiner großen Überraschung war die Kolonie nicht nur lebendig, sondern wohlauf! Es gab so gut wie keine Toten! Und das, obwohl der Ytong seit Monaten schon knochentrocken sein musste. Messor cf. capitatus sind scheinbar enorm robust gegenüber Trockenheit. Aber jetzt durfte ich nicht länger warten, ein Notfallplan musste her.


Luxusapartement - ein 250 l Aquarium für das Volk (Fotos folgen)

Ich verwarf den Plan, das leere Aquarium zu verkaufen, füllte eine dünne Kiesschicht ein (statt Sand, damit sie nicht wieder graben), streute Rasensamen aus und verteilte Steine und Wurzeln zur Dekoration. Dem Drang, lebende Pflanzen einzusetzen, widerstand ich - denn die Ameisen sollen, wenn die Restkolonie auf natürlichem Wege von uns gegangen ist, wieder in ihre alte Arena ziehen. Darum sorgte ich dafür, dass sie möglichst keine Stelle haben, wo sie ein neues Zweignest anlegen können, damit sie im Winter alle wieder brav in ihren Ytong kriechen. Ich stellte die Glasfarm mit dem Ytongnest in das dekorierte Aquarium und öffnete den Deckel der Farm. Ich gab Wasser in die beiden Wassertanks und legte Apfelstücken und frische Körner oben auf. Sofort quollen die Ameisen hervor und stürzten sich auf das Wasser. Binnen Kürze waren die Tanks schwarz. Erst, nachdem sie lange getrunken hatten, begannen sie sich für die Apfelstücken zu interessieren und erst danach für die Körner. Ich hatte ein sehr schlechtes Gewissen, sie so lange ignoriert zu haben - aus lauter Angst, hunderte von vertrockneten kleinen Leichen zu sehen, hätte ich sie fast wirklich umgebracht. Das schlechte Gewissen geschieht mir mehr als Recht. Ich bin froh, dass es noch einmal gut ausgegangen ist. Jetzt haben sie als Entschädigung eine riesige Arena vo 100 x 50 x 50 cm, die sie schon fleißig erkunden. Das Aquarium ist leider nicht dicht am Deckel. Aber fürs Erste muss ein Paraffinölrand genügen.


Die Restkolonie - arbeitslos und depressiv

Das, was von den Ameisen in der alten Arena noch übrig ist, führt ein ziellosses, träges Leben. Sie sitzen viel herum, ohne etwas zu tun, oder laufen ziellos umher. Man sieht ihnen an, dass ihnen ihre wichtigste Aufgabe - die versorgung der Königin und der Brut - fehlt. Die Formulierung ist natürlich sehr vermenschlicht. Sie vegetieren vor sich hin und warten auf ihr Ende. Ich werde sie dennoch pflegen, bis sie von allein sterben. Ich möchte nicht darüber urteilen, ob ihr Leben noch lebenswert ist. Wenn sie sich beschäftigen, dann graben sie. Darin sind sie nach wie vor relativ fleißig. Aber das fröhliche Wimmeln der Hauptkolonie fehlt ihnen, alles wirkt sehr viel ruhiger.


Resümmee

Ameisenhaltung hat, gerade bei größeren Kolonien, nicht nur etwas mit regelmäßiger Pflege, sondern vor allem auch mit Organisation zu tun. Ich hoffe, Königin Mangoruby erholt sich gut. Brut und Eier sind momentan unter diesen Umständen natürlich nicht vorhanden. Aber darüber hinaus wirken Mangoruby und ihre Töchter erstaunlich gesund und nicht ausgezehrt oder eingefallen. Messor cf. capitatus sind wirklich hartnäckige und robuste kleine Tiere. Der folgende Winter muss unbedingt besser geplant werden, ich darf so etwas nicht mehr so lange vor mich herschieben. Ich hoffe, dass es ihnen in ihrem Riesenpalastgarten nun gut geht.

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Re: Messor cf. capitatus für Anfänger [feat. Königin Mangoru

Beitragvon Schmerle » 16. April 2018, 20:49

Frühling 2018 - das sechste Messorjahr - Freilandupdate

Liebe Community,

ich hatte nicht damit gerechnet, hier noch einmal etwas anderes schreiben zu können, als den Verlust meiner Kolonie. Und doch bin ich nun hier mit ein paar Neuigkeiten, welche für Messorliebhaber interessant sein dürften, denn offensichtlich sind Messor capitatus in der Lage, den deutschen Winter im Freiland zu überleben.

Doch beginnen wir von vorn ...


Sommer 2017 - Gesundheitliches Desaster durch Schimmel

Im Sommer des Jahres kam ich mit extremer Atemnot ins Krankenhaus. Ich war im Wohnzimmer zusammengebrochen, mit einem Gefühl, als würde mir jemand unterhalb des Kehlkopfes eine Schlinge gewaltsam zuziehen. Auf allen vieren hyperventilierend gab ich wohl ein gar jämmerliches Bild ab. Da dergleichen von mir bislang nicht erlebt wurde, rief mein Lebensgefährte den Notdienst, der mich mitnahm. Wie es so üblich ist, wurde bei einem augenscheinlich jungen und gesunden Menschen erst einmal von einer Panikattacke ausgegangen. Die sehr niedrige Sauerstoffsättigung meines Blutes offenbarte jedoch, dass ich tatsächlich keine Luft mehr bekommen hatte. Es wurde alles überprüft, von Asthma bis hin zu Herzfunktion und Allergien. Alles war bestens.

Lange Rede kurzer Sinn: Nach mühseliger Überprüfung aller möglichen Faktoren stellten wir im Ausschlussverfahren fest, dass sich im Sand des Formikariums, was sich genau neben meinem Schreibtisch befindet, Schimmel gebildet hatte, auf den ich überempfindlich reagierte, obwohl keine Allergie festgestellt werden konnte. Die sofortige Notlösung lag auf der Hand. Die Farm des Formikariums wurde samt Insassen in ein Hochbeet im Garten gestellt. Ich wählte einen Platz, der möglichst weit entfernt war von anderen Ameisenkolonien und für mich zudem gut zu erreichen und bearbeiten war. Auch sollte er in der vollen Sonne liegen, da Messor capitatus ja Süditaliener sind. Ich legte einen Plastickdeckel darüber, damit die Ameisen bei Regen in Sicherheit waren.

Das Hochbeet mit Lilien und Topinambur vor der Blüte sowie einigen Kornblumen und im Vordergrund jungem Waldmeister. Unter der grünen Platte ist die Farm.
Bild

Der Zugang zur Farm führt zwischen den Lilien geschützt auf den Grund. Ein Baumstamm diente als Unterlage für den Deckel. Später legte ich noch weitere Ziegelsteinhälften darauf, da der Deckel einige Male im Wind wegflog.
Bild

Der Plan sah vor, die Messor im Herbst in der Garage zu überwintern, um sie dann fortan jeden Sommer in das Hochbeet zu stellen und als halbe Freilandameisen zu halten. Da sie die deutschen Winter nicht überstehen dürften, sah ich dabei kein Risiko einer möglichen Faunaverfälschung und meine eigene Gesundheit war mir wichtiger als die Risiken für die Ameisen durch andere Tiere. Sie blieben auch artig ihrem Standort treu, wo ich sie fütterte und sie augenscheinlich gut gediehen. Im Herbst jedoch, oh weh - stellte ich fest, dass sie schon längst nicht mehr IN der Farm, sondern darunter eingegraben lebten und sie nur noch als Körnerlager verwendeten! Ich versuchte, sie auszugraben und grub ein Loch von ca. 60 x 60 x 60 cm mit dem LÖFFEL, um auch ja keine Ameise zu verletzen. Ich fand einige Arbeiterinnen und einige gammlige Körnerlager - aber weder Brut noch Königin. Nur einige wenige, desorientiert wirkende Minor-Arbeiterinnen, fast schon Pygmäen. Der erste Frost nahte laut Wetterbericht.

Ich tat also das Letzte, was mir übrig blieb - ich stellte die Farm in das Loch, füllte dieses von allen Seiten mit Laub auf und schloss den grünen Deckel darüber wie einen Sarg. Traurig nahm ich mir einige Minuten für den Abschied. Eine letzte Schicht Erde darüber, damit der grüne Deckel nicht so stört und damit sah ich das Ende der Kolonie, die vermutlich, ohne dass ich es bemerkt hatte, von anderen Ameisen oder sonstigen Tieren oder der Witterung getötet worden waren. Oder sie hatte sich extrem tief eingegraben. So oder so maß ich ihr keine Überlebensaussichten bei in dem von vier Seiten der Kälte ausgesetzten Hochbeet. An diesem Tag war ich sehr traurig und schämte mich, da ich mir die Schuld gab - ich hätte sie zeitiger ins Warme holen sollen.


Frühling 2018 - Sie leben noch!

Letztes Wochenende nahm ich mir vor, den Sarg zu öffnen und die verwaiste Ameisenfarm herauszuholen, um im Angedenken an die verstorbene Kolonie eine schöne Pflanze einzusetzen. Als ich den Deckel öffnete, fiel mir als erstes eine sehr vital aussehende Media-Arbeiterin auf, die genau oben drauf saß und mich mit aggressiv gespreizten Zangen begrüßte. Ich dachte, sie wäre allein, eine letzte Überlebende, und zog die Farm aus dem isolierenden Laub. Darunter befand sich ein Gemisch aus weiterem Laub und lockerer, von Grabungsaktivitäten zeugender Erde, die ich zunächst auf eine Kolonie winziger schwarzer Ameisen zurückführte, die direkt neben dem Loch in einem eigenen Bau eingezogen war. Doch entdeckte ich, dass die Körner, die ich ab und zu aus schlechtem Gewissen heraus unter den Deckel gegeben hatte, ordentlich eingetragen und sortiert worden waren. Auch kamen mir weitere gesund aussehende Media-Arbeiterinnen entgegen.

Ich kann es noch nicht mit abschließender Gewissheit sagen, doch es besteht die Möglichkeit, dass Königin Mangoruby noch lebt!

Ich werde euch auf dem Laufenden halten, auch wenn manchmal mit größeren zeitlichen Lücken.

Hier geht es zum Diskussionsthread.

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