Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Unterfamilie: Formicinae

Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 27. November, 2016, 12:52

26.11. (120 Tage) In der Zwischenzeit habe ich einen Karton mit Styroporplatten und Papier gedämmt, worin ich neben dem Karton mit den drei Nestern auch einen Wasserbehälter zwecks Temperaturpufferung lagere.
Zusätzlich habe ich als kleines Projekt mit meinem Arduino über einen längeren Zeitraum Temperaturmessungen innerhalb und außerhalb dieses Kartons durchgeführt. Letztendlich wäre es bedeutend simpler und schneller gewesen, einfach zwei billige Thermometer zu benutzen und abzulesen, aber so hat's mehr Spaß gemacht und gelernt habe ich auch eine Menge.

Unter anderem weiß ich, daß die Temperatur innerhalb des Kartons um ca. 4 Grad von der Außentemperatur abweicht. Bei den etwas wärmeren Tagen in der letzten Zeit dürfte das aber nicht entscheidend gewesen sein.

Heute habe ich seit Wochen einen Blick in die Nester geworfen und konnte erfreut feststellen, daß alles in Ordnung zu sein scheint. Die Königin mit Pygmäe träumten wohl beieinander. Die Königin in dem großen Reagenzglas hockte bei ihren Larven. Die dritte Königin wirkte regelrecht aktiv, was mir etwas Sorgen macht, insofern es nicht meiner Erwartung entsprach.

Ich hatte schon einmal die Watteverschlüsse der Gläser angefeuchtet und werde dies angelegentlich wiederholen, damit die Tiere keinesfalls vertrocknen.

Ich frage mich wieviel Frost die Ameisen wohl vertragen: wenigstens im ersten Jahr müßte sich das frischgegründete Nest doch noch recht nahe an der Oberfläche befinden, sodass es für die Bewohner ziemlich kalt werden könnte. Ich denke, daß ich die Ameisen nur in den Kühlschrank umlagern werde, wenn es wirklich starken Frost geben sollte. Umgekehrt könnte ich den Karton noch etwas ummanteln.
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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 1. April, 2017, 10:42

28. 3. 17. ff Nachdem ich vor der Haustür das erste Mal in diesem Jahr Ameisen bemerkt habe, habe ich die Winterruhe meiner Lasius niger Königinnen beendet.
Zur Erinnerung: Es sind 3 Königinnen im Reagenzglasnest, die alle Eier gelegt haben, die sich aber nur sehr langsam entwickelt haben, denn während des Sommers ist nur eine einzige Pygmäe geschlüpft.

Fazit der Winterruhe.

Alle Tiere scheinen wohlauf, ebenso die Larven.

Diese befanden sich während der gesamten Winterruhe in einem eigens dafür gebastelten Karton in einer geschützten Ecke auf dem Balkon. Der Winter war hier eher mild und ohne starke Fröste, so dass ich niemals Sorgen hatte, dass die Gynen einen Kälteschaden nehmen könnten; eher schon, sie nicht zur Ruhe kommen. Ein anderes Mal mag die Unterbringung im Kühlschrank besser sein.

Wie schon im letzten Jahr bemerkt, war es ungeschickt den Abtrenner des Wassertanks aus zwei oder mehreren Wattebüscheln zusammenzusetzen, denn im Laufe der Zeit bilden sich Zwischenräume zwischen den Wattestopfen, da bei der Wasserverdunstung die Watte in das RG gezogen wird. Jedoch kann ich noch nicht wirklich feststellen, ob dies irgendwelche Nachteile für die Ameisen birgt.
Die Watte in dem Nest mit Pygmäe hat sich etwas bräunlich verfärbt, die anderen sind sauber und unverfärbt.

Die Wassertanks sind stark geleert. Während der Winterruhe habe ich den Verschlusswattestopfen alle paar Wochen angefeuchtet. In dem großen RG-Nest habe ich vorsichtig versucht mit einer Spritze etwas Wasser in dem vorderen Zwischenraum zwischen den abgetrennten Wattestopfen zu füllen; die Königin hat's gefasst und mit stiller Würde geschehen lassen. Ich habe auch den Wattebausch in dem schmalen RG ohne Pygmäe leicht mit der Spritze angefeuchtet. Wie schon im letzten Jahr reagiert diese Königin sehr viel heftiger auf Störungen, sodass ich das Prozedere abgebrochen habe.
Die Nadel meiner Spritze ist für vernünftiges Nachfüllen des Tanks jedenfalls zu kurz .

Die Königin mit der Pygmäe habe ich in eine Box gesetzt, in der ein frisches Reagenzglasnest und Futter in Form von Kristall- und Rohrzuckerlösung, sowie mit Honigwasser getränkten Wattekügelchen angeboten wird. Desweiteren lege ich auch etwas Obstschnitzel dazu. Proteinnahrung muss ich noch besorgen, was mir so unterkommt.
Einen Umzug versuche ich nicht zu erzwingen.

Eine Nestöffnung habe ich in Form eines Strohhalmstücks mit einem eingefädelten Stückchen Schnur geschaffen, welches ich durch die Watte gelegt habe. Diese Methode um einen etwas Ameisengrößen gerechteren Ein- und Ausgang für ein Reagenzglasnest zu bauen, habe ich mir in diesem Forum abgeguckt.

Die anderen beiden Königinnen habe ich ebenfalls ins Haus geholt, wo es hoffentlich bald zum Schlupf von Pygmäen - oder von mir aus irgendetwas anderem! - kommen wird. Nach den beiden schaue ich wieder in frühestens 2 Wochen.

Erfreulich ist, dass bisher kein Tier verstorben ist - damit habe ich nicht gerechnet. Dadurch, dass mit einer Pygmäe bei 3 Gynen von einer erfolgreichen Koloniegründung nicht die geringste Rede sein kann, bleibt die Angelegenheit äußerst kribbelig!

Wunschzettel für dieses Jahr: es möge endlich einmal jemand Reagenzgläser mit rechteckigem Querschnitt herstellen!

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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 1. Mai, 2017, 12:08

1. 4. ff Das Nest mit der Pygmäe bereitet mir zur Zeit viel Freude, weil es mittlerweile Aktivität zeigt https://www.ameisenforum.de/nachtliches-treiben-t55988.html - einmal konnte ich die Pygmäe schon noch während der Dämmerung außerhalb des Nestes beobachten (siehe Link). Die Haltungsparameter können also nicht ganz falsch sein. Grob geschätzt kommt es alle 2 Tage zu Außenaktivität.
Futter wird angenommen; angeboten werden Insektenteile und Obst. Zuckerwasser biete ich zur Zeit nicht an, da ich Obst für sinnvoller halte. Jedoch ist dies eine reine Vermutung. Bei größeren Kolonien könnte Zuckerwasser praktischer werden.

Auch biete ich momentan kaum extra Wasser an, da ich hoffe, daß der Bedarf über das Obst gedeckt wird. Ferner habe ich die Befürchtung, daß die Pygmäe ertrinken könnte. Ich experimentiere mit einem mit feuchter Watte gefüllten Strohhalm - die Idee dazu stammt wieder aus diesem Forum. Das Futter wird alle 2 Tage gewechselt und altes Obst mit Wasser angefeuchtet.

Die anderen beiden Nester entwickeln sich langsam bis gar nicht. Es gibt zwar Eier und sogar Puppen, aber über dieses Stadium hinaus scheint sich nichts zu entwickeln. Ich habe den Gynen etwas Zuckerwasser und Insektenteile ins RG gelegt. Außerdem trocknet langsam der Wasserspeicher aus. Daher möchte ich die alten Nester über einen Strohhalm mit einem frischen verbinden. Weil ich befürchte, daß meine Halme zu schmal sein könnten, möchte ich erst neue besorgen, die ich in einem bekannten schwedischen Möbelkaufhaus gesehen habe, und die weiter als meine sind.

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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 7. Mai, 2017, 17:30

1. 5. ff Ich habe die zwei RG-Nester der Königinnen, die noch keinen Nachwuchs produziert haben, mit einem frischen Reagenzglas verbunden - vermutlich ist es ihnen egal. Dabei habe ich aber sehen können, dass wenigstens eine von ihnen
das Futter, das ich ihnen ins Nest gelegt habe, zu ihren Gelege transportiert hat. Ich halte das für kein schlechtes Zeichen. Außerdem meine ich, daß in beiden Nestern mehr Puppen zu sehen waren.

Ob, die beiden noch jemals Arbeiterinnen haben werden, steht wohl in den Sternen... wie man hier deutlich sieht: https://www.jpl.nasa.gov/spaceimages/details.php?id=PIA04216

Nachdem ich schon seit Wochen nicht mehr in das Nest mit der Pygmäe geschaut habe, juckte es mich heute sehr und siehe da: es befinden sich eine Menge Puppen darin. Wenn die schlüpfen, sollte ich mir ernsthaft Gedanken über den Ausbruchsschutz machen! Wenn ich richtig informiert bin, dann benötigen sie jetzt vermehrt Kohlenhydrate und weniger Proteine. Dazu werde ich ihnen etwas Pflaume und auch Zuckerwasser anbieten.

Apropos Obst: aus meinen sporadischen Beobachtungen kann man natürlich schlecht Schlussfolgerungen ableiten, aber ich meine beobachtet zu haben, daß alter Apfel lieber frequentiert wird als frischer. Schiller soll den Geruch faulender Äpfel ja auch gerne gerochen haben, weshalb ich mich eines Urteils enthalte.

Die Pygmäe hat den Eingang mit dem Rest des Insektenkorpus verstopft. Ich wüßte natürlich gerne, ob das beabsichtigt ist oder nicht. Jedenfalls werde ich etwas abgebrühte Erde für eventuelle weitere Bauvorhaben in die Arena streuen - ist für mich ein Klacks.

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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 14. Mai, 2017, 15:57

7.5. ff Mit dem den Sand in der Arena habe ich scheinbar ins Schwarze getroffen: in dieser Woche konnte ich die in der Geschichte der Kolonie größte Außenaktivität der Pygmäe beobachten. Sie hat sogar am lichten Tage Sandkörner ins RG transportiert, während ich an der Arena hantierte, und welchen Vorgang ich auch nur zufällig bemerkt habe. Geistesgegenwärtig habe ich eine kurze Aufnahme davon gemacht. Ich wäre mit ihr voll und ganz zufrieden, wenn ich darauf nicht wie ein Vollidiot herumhampeln würde. Wenn man ganz genau hinhört, dann kann sie leis' singen hören...
video1.zip
Pygmäe transportiert Sand 1 (ca. 30 Sek.)
(6.33 MiB) 18-mal heruntergeladen


video2.zip
Pygmäe transportiert Sand 2 (ca. 30 Sek.)
(6.28 MiB) 16-mal heruntergeladen


(Kleine Erläuterung der Szene: Unten in der Mitte befindet sich der Nesteingang; dieser kann über zwei kleine Stöckchen erreicht werden. Rechts ist der Sand, links davon iiegt ein Stück Apfel, dann ein mit Zuckerwasser getränktes Stück Stoff; davor liegt etwas Futterinsekt; ganz links ein Stück Strohhalm als Wasserspender)


Mein Eindruck ist also, daß die Tiere gerne Sand im Nest haben. Es könnte sein, daß sie so besser ihr Nest nach ihren Bedürfnissen ausgestalten können. Vielleicht, so habe ich spekuliert, könnte es auch mit ihrer Ernährung zusammenhängen, insofern, daß sie aus der Erde vielleicht Mineralien aufnehmen. Oder sonstige Anhaftungen, die gut für sie sind. Eine ihnen natürlichere Gestaltung des Nestes ist es allemal und es bietet eine ihnen sinnvolle Beschäftigung. F\"ur die Zukunft werde ich Erdnester sehr ernsthaft in Betracht ziehen.

Gerne würde ich mir ansehen, was sie genau mit den Sandkörnern anstellen, aber das wird wohl nichts, denn wenn ich das Nest hantiere, bringe ich ihnen - d.h. den beiden - bestimmt alles durcheinander. Sicher scheint zu sein, daß der Sand teilweise im Eingangsbereich gelagert wird. Ob sie wohl mit dem Rest ein kleines Mosaikabbild von mir als ihrem Meister von unbegreiflicher Kraft angelegt hat? Um sich meines Wohlwollens zu versichern? Gänzlich ausschließen kann man es - bei aller Bescheidenheit! -wohl nicht...

Aber auch die Pygmäe konnte mich mit ihren Kräften beeindrucken, als sie ein Bröckchen Sand transportierte, das etwa halb so lang und etwa so breit wie sie selber war. Schon beim Transport von kleineren Körnern waren Verrenkungen notwendig, um von dem Eingangsast in den Eingangsstrohhalm zu gelangen. Aber als sie den Brocken balancierte und ins Nest bugsierte, hatte es etwas unwirkliches.

Ferner ist mir noch aufgefallen, daß die Pygmäe zwar meist einen direkten Weg zum Sand krabbelt, aber auf dem Rückweg manchmal einen Umweg lief, indem sie erst am Ast vorbei bis unter das RG lief, dort etwas zu suchen schien, um dann zurück zum Ast und ins Nest zu laufen.

Futter und Wasser scheint zur Zeit keine Rolle zu spielen.

Von den anderen beiden Nestern gibt es keine Neuigkeiten, will aber auch nicht zu oft stören.

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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 28. Mai, 2017, 14:57

Die Gyne aus dem großen Reagenzglas ist tatsächlich in das neue Nest umgezogen. Sie hat noch immer Puppen.
Wenn die Watte sich beim Verdunstungsvorgang nicht in zwei Segmente aufgeteilt hätte, sodaß der dem Nestinneren zugewandte Teil kein Wasserkontakt mehr hatte, dann hätte die Feuchtigkeit meiner Einschätzung nach sicher ausgereicht. Jedoch vermute ich, daß des Umzugs Grund weniger der mangelnden Feuchtigkeit geschuldet war als eher dem Umstand, daß der Durchmesser des neuen Glases geringer ist.
Die Watte war bis auf leichte Verunreinigungen weiß und schimmelfrei.

Die andere Gyne ist nicht umgezogen, jedoch hat sie Abfälle in das frische RG transportiert - ich hatte ihr vor einer Weile Futter angeboten - die sie scheinbar in die Watte geklatscht hat. Ihr altes Nest scheint ihr folglich noch nicht zu trocken zu sein. Aber ihre Verfassung machte auf mich einen schlechten Eindruck, da sie sich kaum bewegte; tatsächlich hielt ich sie zuerst für tot. Auch sie hat Puppen.

Ich füttere beide nocheinmal mit Honigwasser und warte ab.

Die Aktivität der Pygmäe war diese Wocher geringer als davor. Ich gebe ihr immer auch Obst, konnte aber noch nie beobachten, daß sie davon fraß.

Ein Bemerkung am Rande: ich hatte eine Fliege gefangen, die ich verfüttern wollte, wozu ich sie zerteilte. Nachdem ich ihre den Kopf abgetrennt hatte, bemerkte ich ein Würmchen, sodaß ich einen Parasitenbefall der Fliege vermutete.
Neugierig zerteilte ich die Fliege weiter bis plötzlich ein Haufen Maden aus ihrem Leib herausquoll. Ich war so angeekelt, daß ich nicht die Geistesgegenwart besaß, um eine Aufnahme zu machen oder um einige Maden aufzubewahren, um zu sehen, was sich daraus entwickeln mag. Der Anblick verfolgte mich den ganzen Tag.

Dank dieses Forums konnte ich allerhand lehrreiches über dieses Phänomen erfahren, das mir über das gröbste hinweggeholfen hat. Mittlerweile geht es wieder leidlich....

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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 2. Juni, 2017, 21:31

30.5. TRIUMPH!
Sieg! Der Sieg des Guten über das Böse! Den altbösen Feind! Wer es nicht mehr geglaubt hat, der stehe jetzt beschämt da und gestehe seine schmähliche Niederlage ein! Sad!

Denn die Gyne - was sage ich: Königin! - aus dem großen Reagenzglasnest hat endlich eine Pygmäe fabriziert, wofür sie nicht weniger als den Zeitraum vom 19. 7. 2016 bis zum 30. 5. 2017 benötigt hat; dies sind klar gezählte 315 Tage, inklusive einer Winterruhe. Tut mir Leid, wenn damit alles, was wir bisher über Ameisen zu wissen glaubten, obsolet geworden ist. Ich tat es für mein Land. Oder doch für die Liebe! Niemalen de la vie! Und die Wahrheit!

An das Moderatoren-Team gerichtet, möchte ich an dieser Stelle eine neue Nutzer- Auszeichnung anregen, nämlich für die langsamste Kolonieentwicklung. Und da gerade forenweit davon gesprochen wird, möchte ich die meinige für die Plätze 1 bis 3 hiermit vorgeschlagen haben. Laßt euch mit der Entscheidung Zeit: ich habe ja noch meine dritte Königin, die auf ihrem Haufen Puppen hockt!

1.6. Es reißt nicht ab!
Am darauffolgenden Abend habe ich das Reagenzglasnest in eine Box umgesetzt und mit einem Strohhalm einen Nestzugang gelegt. Natürlich habe ich auch gleich etwas Futter angeboten: Honigwasser, Apfel und ein totes Insekt.
Wie man sich leicht vorstellen kann, dürfte dabei das Nest nach Ameisenmaßstäben ordentlich durchgeschüttelt worden sein, sodaß ich auf absehbare Zeit mit keiner Aktivität der verschreckten Tiere gerechnet habe, zumal es auch erst noch dämmerte. Doch meine Ameisen haben Nerven aus Stahl und den Mut eines draufgängerischen Löwenrudels! Und vermutlich den Magen eines halbverhungerten Wolfes. Denn es waren noch nicht alle Hantierungen abgeschlossen, bis die Pygmäe aus dem Strohhalm herausspitzte, um sich - sehr vorsichtig - den Wind um ihre Fühler wehen zu lassen.

Sie sondierte die Lage und die Anspannung war trotz ihrer Winzigkeit deutlich fühlbar. Es tat mir etwas Leid, daß die für sie neue Welt gar nicht so war, sie es ihrer Natur eigentlich entspricht.
Bald bewegte sich sich langsam auf den Insektenkadaver zu, um ihn zu umkreisen. Vielleicht wurde ihr etwas mulmig, jedenfalls verzog sich wieder ins Nest. Es dauert aber nicht lange, bis sie wieder herauskam, um sich an dem Insektenfutter zu schaffen zu machen.

Weil ich annahm, daß auch diese Pygmäe das Insektentier für die Königin ins Nest tragen wollen wird, hatte ich einen kleinen Brocken ausgelegt, jedoch wurde nun klar, daß er im Vergleich zur Pygmäe noch immer riesig war. Da ich von der anderen Pygmäe aber schon den Anblick beeindruckender Kraftakte gewohnt war, freute ich mich darauf zu beobachten, wie sie das Futter unter Mißachtung aller menschlichen Vernunft ins Nest trägt, anstatt sie durch einen Futterwechsel zu erschrecken. Außerdem: selbst wenn sie den Brocken nicht geschultert kriegen sollte, haben Ameisen nicht diesen formidablen sozialen Magen?!

Es kam anders. Es verstummten plötzlich die Vögel. Eine Wolke verschluckte die Sonne. Dunkelheit legte sich über die Welt. Dann sah ich, wie die Königin selbst langsam aus dem Nest gekrochen kam, um sich nach langer Zeit wieder einmal satt zu fressen.

Die beiden waren knapp eine Stunde am toten Insekt zu gange, bis sie sich wieder ins Nest zurückzogen. Am nächsten Morgen war dann das Insekt verschwunden, also vermutlich ins Nest getragen.
Ich hätte nie damit gerechnet, daß die Königin nocheinmal herauskommen würde. Wenn dies tatsächlich ungewöhnliches Verhalten ist, so ist es sicherlich dem Hunger nach der extrem langen Gründungsphase geschuldet.

Schließlich weiß ich nun auch aus eigener Anschauung, daß ein handelsüblicher Strohhalm mit einem angegebenen Durchmesser von 5mm weit genug für eine Lasius niger Königin ist, sogar, wenn sie sich den Gaster vollgeschlagen hat; obschon es etwas gequält aussah, als sie sich durch die Rohre durchquetschte.

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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 4. Juni, 2017, 18:51

Ich biete momentan Trauerfliegen und deren Larven an; diese sind immer bald verschwunden. Einmal wollte ich gerne beobachten, wie die Pygmäe die Fliege ins Nest trägt, sodaß ich eine Leiche auf eine ihrer Routen legte als sie gerade ihren Geschäften im Formikarium nachging. Das eigentliche Hineinlegen schien sie nicht bemerkt zu haben, aber als endlich auf die tote Fliege stieß, machte sie einen großen Satz und flitze davon.

Ich glaube, ich habe eine Aufnahme, wie sie das Futtertier dann doch nachts einträgt, es kann aber auch etwas anderes sein, womit sie sich abkämpft - sie purzelt sogar einmal aus dem Nesteingang heraus, weil der Brocken so sperrig ist. Aber sie gibt nicht auf... Beim Betrachten der Bilder kamen mir Zweifel, ob das Ding, das sie trägt, wirklich tot ist. Wer mag und in schadenfroher Stimmung ist, kann sich diese Nummer während des Videos anhören.
kleiner_unfall.zip
Pygmäe trägt vermutlich eine tote Trauerfliege ins Nest (etwas über 4 Minuten)
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Chris Quinn
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