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Camponotus barbaricus - Integration einer neuen Gyne in eine bestehende Kolonie

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Erne
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#9 Camponotus barbaricus - Integration einer neuen Gyne in eine bestehende Kolonie

Beitrag von Erne » 26. März 2026, 09:29

Interessante Thematik.

Bei unseren Honigbienen ist es eine gängige Praxis, gestorbene Königinnen zu ersetzen oder vorhandene auszutauschen.
Das klappt auch bei verschiedenen Bienenrassen.
Grundlage dafür ist, dass die Königin in ein vor den Bienen geschütztes, luftdurchlässiges Behältnis (Gitterkäfig) ins Bienenvolk gehängt wird, damit die Königin den Geruch des Bienenvolks annehmen kann.
Inwieweit das auch bei Ameisen der gleichen Art machbar ist?

Eine neue Königin in einem Reagenzglas, dessen Öffnung mit einem Gitter gesichert ist, in ein Ameisenvolk zu legen, war meinen Erfahrungen nach nicht von Erfolg gekrönt.
Die Austauschfläche ist dafür zu klein.
Versuche, Königinnen in einem ganzseitigen Gitterkäfig ins Volk zu legen, liefen auch nicht immer.
Aggressivere Arten, die Ameisensäure abgeben können (Schuppenameisen/Formicinae), haben der Königin mit ihrer Säure zugesetzt und sie getötet.

Aussichtslos ist so ein Vorhaben aus meiner Sicht nicht.
Mir ist es gelungen, gestorbene Königinnen bei älteren Völkern unterzubringen bei:
Messor barbarus, Lasius flavus, Camponotus ligniperda, Manica rubida, Acromyrmex spec.

Zu erwähnen ist allerdings, dass es nicht immer funktioniert hat mit einer eher höheren Verlustquote.

Wichtig scheint mir, dass die Königin in möglichst intensiven Kontakt mit den Arbeiterinnen kommt, so geschützt dass ihr nichts passiert.
Nach und nach sollten kleinere Arbeiterinnen dazugegeben werden.
Bei Arten, die Zuckerwasser nehmen, diese Arbeiterinnen vorab gut zu füttern.
Arbeiterinnen und Königin dabei im Volk unterbringen, immer mit guter Luftdurchlässigkeit, nicht extern.
Nach und nach den Zulauf von weiteren kleineren Ameisen ermöglichen.
Zeitlich dabei nichts überstürzen.

Wünsche viel Erfolg.

Wolfgang

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#10 Camponotus barbaricus - Integration einer neuen Gyne in eine bestehende Kolonie

Beitrag von sammy90 » 26. März 2026, 13:03

Erne ↑
26. März 2026, 09:29

Interessante Thematik.

Bei unseren Honigbienen ist es eine gängige Praxis, gestorbene Königinnen zu ersetzen oder vorhandene auszutauschen.
Das klappt auch bei verschiedenen Bienenrassen.
Grundlage dafür ist, dass die Königin in ein vor den Bienen geschütztes, luftdurchlässiges Behältnis (Gitterkäfig) ins Bienenvolk gehängt wird, damit die Königin den Geruch des Bienenvolks annehmen kann.
Inwieweit das auch bei Ameisen der gleichen Art machbar ist?

Eine neue Königin in einem Reagenzglas, dessen Öffnung mit einem Gitter gesichert ist, in ein Ameisenvolk zu legen, war meinen Erfahrungen nach nicht von Erfolg gekrönt.
Die Austauschfläche ist dafür zu klein.
Versuche, Königinnen in einem ganzseitigen Gitterkäfig ins Volk zu legen, liefen auch nicht immer.
Aggressivere Arten, die Ameisensäure abgeben können (Schuppenameisen/Formicinae), haben der Königin mit ihrer Säure zugesetzt und sie getötet.

Aussichtslos ist so ein Vorhaben aus meiner Sicht nicht.
Mir ist es gelungen, gestorbene Königinnen bei älteren Völkern unterzubringen bei:
Messor barbarus, Lasius flavus, Camponotus ligniperda, Manica rubida, Acromyrmex spec.

Zu erwähnen ist allerdings, dass es nicht immer funktioniert hat mit einer eher höheren Verlustquote.

Wichtig scheint mir, dass die Königin in möglichst intensiven Kontakt mit den Arbeiterinnen kommt, so geschützt dass ihr nichts passiert.
Nach und nach sollten kleinere Arbeiterinnen dazugegeben werden.
Bei Arten, die Zuckerwasser nehmen, diese Arbeiterinnen vorab gut zu füttern.
Arbeiterinnen und Königin dabei im Volk unterbringen, immer mit guter Luftdurchlässigkeit, nicht extern.
Nach und nach den Zulauf von weiteren kleineren Ameisen ermöglichen.
Zeitlich dabei nichts überstürzen.

Wünsche viel Erfolg.

Wolfgang

Hi Wolfgang

danke für deinen Post. Das geht in die Richtung in die ich mir das vorgestellt habe. Ein Vorteil den mein Setup hat ist, dass ich quasi die Königin innerhalb des Nestes halten kann ohne sie zu gefährden. Und damit werde ich mir auch Zeit lassen. Es gibt ein paar Möglichkeiten die Integration zu erhöhen nach dem ich sie mal eine Weile innerhalb der Tube ("offen" mit Gitter) im oberen Bereich gehalten habe. Das schaue ich dann aber wenn es soweit ist.

Jetzt versuche ich erst mal den oberen Bereich frei zu bekommen. Die Zugänge sind nun mal versperrt.

aussenwelt-verschlossen.jpeg

Spannenderweise haben die Arbeiterinnen die tote Königin hoch geholt. Sie haben sie nicht zum Teil gelegt wo der "Abfall" ist, also scheinen sie es noch nicht ganz wahr zu haben.

tote_königin.jpeg

Sobald ich den Bereich frei habe wollte ich ihn sauber machen und die neue Königin in ihrer Tube einsetzen. Allerdings frage ich mich gerade, ob es schlauer wäre den Bereich nicht sauber zu machen um die Düfte der Kolonie zu behalten? Wie ich aus deinem Post entnehme ist es wohl so, dass die Königin den Duft der Kolonie annehmen muss (und nicht umgekehrt?). Dann wäre es wohl besser nicht sauber zu machen?




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#11 Camponotus barbaricus - Integration einer neuen Gyne in eine bestehende Kolonie

Beitrag von PincoPallino » 26. März 2026, 14:09

Dann wäre es wohl besser nicht sauber zu machen?

Das klingt irgendwie logisch. So lange sie dadurch nicht den Geruch des Abfallhaufens annimmt :)

Ich habe vor Jahren auch schon von erfolgreichen ähnlichen Versuchen gelesen, kann mich aber nicht mehr an die Art(en) erinnern. Ich meine aber, dass es polygyne waren und damit hinkt der Vergleich dann schon wieder.

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#12 Camponotus barbaricus - Integration einer neuen Gyne in eine bestehende Kolonie

Beitrag von Antkönig » 26. März 2026, 15:23

Hi,

ich klinke mich auch mal ein. Ich an deiner Stelle würde auf jeden Fall die alte Königin entnehmen und auch den Müll entfernen bzw. die Stelle reinigen. Je weniger alte Königinnenpheromone in der Arena und Kolonie verbleiben, desto besser. Man muss hier nochmal klar unterscheiden zwischen Pheromonen, die die Königin abgibt, und dem allgemeinen Geruchsprofil einer Kolonie. Wir sprechen bei dieser Art von keiner sozialparasitären, d.h., in meinen Augen kann die fremde Königin auch keinen Geruch "annehmen" wie es z.B. L. fuliginosus und co machen. Ich schätze, die Chancen steigen, je mehr die Kolonie mitbekommt, dass die eigene Königin verstorben ist und somit die Kolonie weisellos ist. Ich kenne Berichte bei Lasius, wo von einer verringerten Aggressivität die Rede ist, wenn die Königin lange verstorben ist und so ihre Pheromone verflogen sind. Das wäre in deinem Fall für eine Adoption von Vorteil.

Auf jeden Fall spannend und in meinen Augen nicht aussichtslos. Hast du auch darüber nachgedacht, die Kolonie beim finalen Zusammensetzen herunterzukühlen? Das könnte ja vielleicht die Anfangszeit mit ersten Begegnungen erleichtern. Nur so eine Idee.

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#13 Camponotus barbaricus - Integration einer neuen Gyne in eine bestehende Kolonie

Beitrag von Erne » 26. März 2026, 16:30

Wir sprechen bei dieser Art von keiner sozialparasitären, d. h. in meinen Augen kann die fremde Königin auch keinen Geruch „annehmen“, wie es z. B. L. fuliginosus und Co. machen.

Ist das nicht der Beweis dafür, dass die Geruchsannahme ein Weg ist, um eine Königin ins Volk zu bringen?

Wenn ich fragen darf, woraus begründet es sich, dass eine Königin keinen Geruch annehmen kann?

Wolfgang




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#14 Camponotus barbaricus - Integration einer neuen Gyne in eine bestehende Kolonie

Beitrag von sammy90 » 26. März 2026, 17:15

Antkönig ↑
26. März 2026, 15:23

Hi,

ich klinke mich auch mal ein. Ich an deiner Stelle würde auf jeden Fall die alte Königin entnehmen und auch den Müll entfernen bzw. die Stelle reinigen. Je weniger alte Königinnenpheromone in der Arena und Kolonie verbleiben, desto besser. Man muss hier nochmal klar unterscheiden zwischen Pheromonen, die die Königin abgibt, und dem allgemeinen Geruchsprofil einer Kolonie. Wir sprechen bei dieser Art von keiner sozialparasitären, d.h., in meinen Augen kann die fremde Königin auch keinen Geruch "annehmen" wie es z.B. L. fuliginosus und co machen. Ich schätze, die Chancen steigen, je mehr die Kolonie mitbekommt, dass die eigene Königin verstorben ist und somit die Kolonie weisellos ist. Ich kenne Berichte bei Lasius, wo von einer verringerten Aggressivität die Rede ist, wenn die Königin lange verstorben ist und so ihre Pheromone verflogen sind. Das wäre in deinem Fall für eine Adoption von Vorteil.

Auf jeden Fall spannend und in meinen Augen nicht aussichtslos. Hast du auch darüber nachgedacht, die Kolonie beim finalen Zusammensetzen herunterzukühlen? Das könnte ja vielleicht die Anfangszeit mit ersten Begegnungen erleichtern. Nur so eine Idee.

Im von mir verlinkten Bericht wird auch davon geredet die Kolonie herunterzukühlen. Das hat in diesem Fall nichts gebracht. Aber das heisst natürlich nicht viel. Ich werde die Königin versuchen zu entnehmen. Ich frage mich ob ich diese entsorgen soll oder auf den Müll legen den die Arbeiterinnen ausserhalb der Kolonie angelegt haben. Die Gefahr ist natürlich, dass sie diese dann wieder rein bringen und ich nicht mehr dran komme. Daher würde ich wahrscheinlich direkt entsorgen.

Edit: Da der Bereich abgeschlossen ist und sie immer noch an der Königin rumzwicken als würden sie nicht realisieren dass sie tot ist, lasse ich die ganze Sache mal noch eine kleine Weile so. Vielleicht bekommen sie dann mit, dass sie tot ist. Ein gutes Zeichen wäre wenn sie sie auf den Müll packen.

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#15 Camponotus barbaricus - Integration einer neuen Gyne in eine bestehende Kolonie

Beitrag von Antkönig » 27. März 2026, 09:00

Erne ↑
26. März 2026, 16:30

Wir sprechen bei dieser Art von keiner sozialparasitären, d. h. in meinen Augen kann die fremde Königin auch keinen Geruch „annehmen“, wie es z. B. L. fuliginosus und Co. machen.

Ist das nicht der Beweis dafür, dass die Geruchsannahme ein Weg ist, um eine Königin ins Volk zu bringen?

Wenn ich fragen darf, woraus begründet es sich, dass eine Königin keinen Geruch annehmen kann?

Bei sozialparasitären Arten sprechen wir davon, dass Königinnen häufig beim Eindringen so gut wie "geruchslos" sind. Erst später wird dann der Duft der fremden Kolonie übernommen. C. barbaricus macht das nicht, wieso auch, in der Natur würde sie ja einfach ihre Kolonie selber gründen. Sie kommt somit bereits mit ihrem eigenen Duft und wird sich auch beim Einsetzen erstmal nicht anpassen. Wie es dann später abläuft, wenn z.B. auch Nahrungsaustausch stattfindet, weiß ich nicht. Ich schätze, durch einen späteren engen Kontakt gleichen sich die Geruchsprofile immer mehr an.
Deshalb wäre mein Ansatz, um eine Königin erfolgreich einzugliedern erst sicherzustellen, dass die Kolonie keine verbleibenen Pheromone der alten Königin hat.

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#16 Camponotus barbaricus - Integration einer neuen Gyne in eine bestehende Kolonie

Beitrag von Barristan » 27. März 2026, 11:09

Antkönig ↑
27. März 2026, 09:00

Bei sozialparasitären Arten sprechen wir davon, dass Königinnen häufig beim Eindringen so gut wie "geruchslos" sind. Erst später wird dann der Duft der fremden Kolonie übernommen. C. barbaricus macht das nicht, wieso auch, in der Natur würde sie ja einfach ihre Kolonie selber gründen. Sie kommt somit bereits mit ihrem eigenen Duft und wird sich auch beim Einsetzen erstmal nicht anpassen. Wie es dann später abläuft, wenn z.B. auch Nahrungsaustausch stattfindet, weiß ich nicht. Ich schätze, durch einen späteren engen Kontakt gleichen sich die Geruchsprofile immer mehr an.
Deshalb wäre mein Ansatz, um eine Königin erfolgreich einzugliedern erst sicherzustellen, dass die Kolonie keine verbleibenen Pheromone der alten Königin hat.

So ganz ist das aber nicht korrekt. Manche sozialparasitären Königinnen töten eine Arbeiterin der Wirtsart und versuchen so den Koloniegeruch der Wirtskolonie zu übernehmen (z. B. Lasius umbratus machen das), damit sie unbemerkt eindringen können. Würden sie das nicht tun, würde die Wirtskolonie diese sofort wahrnehmen und töten. Diese Arten haben gelernt das selbständig zu tun. Aber wenn man nachhilft, so dass der Koloniegeruch übernommen bzw. sich vermischt, könnte es auch bei nicht parasitären Arten klappen mit der Adoption.

Lasius umbratus Königin mit einer getöteten Lasius Arbeiterin (Quelle: Ameisenwiki)
Lasius umbratus Königin mit einer getöteten Lasius Arbeiterin (Quelle: Ameisenwiki)

Das ist natürlich alles hoch experimentell und mit einem großen Risiko verbunden.




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