Ameisen und Blattläuse - Beobachtungen an der Haltestelle

Eigene Beobachtungen in der freien Natur.

Ameisen und Blattläuse - Beobachtungen an der Haltestelle

Beitragvon Safiriel » 26. September 2014, 20:34

Ich beobachte ja seit Monaten zwei Nester, die sich auf einem Stück Grünstreifen einer Bahnhaltestelle befinden. Eigentlich sollte ich hierüber einen Bericht schreiben, denn tatsächlich werden verpasste oder ausfallende Bahnen doch mit interessanten Beobachtungen entschädigt.

Nest eins gehört Formica cf. fusca, der Art die man hier am häufigsten antrifft. Zu Beginn meines ausgeprägteren Ameiseninteresses habe ich dies für Lasius niger gehalten, weil man sie hier wirklich überall antrifft.
Es ist ein vermutlich nicht ganz kleines Volk, immerhin sind sie dieses Jahr geschwärmt.

Nest zwei ist ein vermutlich recht kleines von Myrmica cf. rubra. Von denen sind erheblich weniger zu sehen, einen Schwarmflug konnte ich nicht beobachten, das Nesthügelchen ist winzig.

Das ganze Jahr über habe ich mich gefragt, wie es dazu kommt, dass Lasius niger als häufigste Ameise Deutschlandes gezählt wird, und nicht Formica fusca. Dabei sah ich doch dauernd Formica, Lasius cf. niger jedoch nur an einem einzigen Ort (10m neben dem Standort meiner Tetramorium cf. caespitum, hatte ein Bild gepostet), und das auch nur an einam Tag in diesem Jahr.

Inzwischen bereiten sich sowohl Nest eins als auch Nest zwei auf die Winterruhe vor. Wenn ich nicht wüsste wo sie sind, ich würde sie nicht finden. Wenn ich zwei Ameisen am Tag sehe ist das viel. Dafür habe ich in den letzten Tagen genau dort Lasius cf. niger beobachten können. Nur vereinzelt, aber vorhanden. Vermutlich lebt Lasius niger also einfach verborgener. Die vielen gefundenen Gynen (man vergleiche mit Myrmica rubra - Gynen), sprechen dafür, dass es massig Lasius niger gibt: Wir sehen sie nur nicht!

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AW: Ameisen und Blattläuse - Beobachtungen an der Haltestelle

Beitragvon Safiriel » 26. September 2014, 20:38

Heute an der Haltestelle sinnierte ich gerade darüber ob ich direkt nach Hause gehen, oder doch besser erst einkaufen solle, als ich einen Halm (geschlossene Blüte eines Korbblüters) entdeckte: Voll mit Blattläusen. Super! Mitgenommen, auf zu den Lasius flavus! Die interessierten sich rein gar nicht dafür! Klar, dachte ich, die mögen ja auch lieber Wurzelläuse. Also: Raus aus dem einen Becken in die andere Arena zu den Lasius niger. Überraschung: Die finden sie genau so langweilig! Drosophila wurden gestern noch gern genommen, also habe ich vermutlich die falsche Art erwischt!
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Beitragvon trailandstreet » 26. September 2014, 21:34

Wenn ich mich hier mal kurz anschließen darf.
Ich hab erst diese Woche wieder, wo es bei uns sich jetzt mehr regnerisch und kühl ist, auch erst wieder (einen Blick?)* auf die Formica cunicularia geworfen, die die dortigen Läuse auf den Ahornbäumen besuchen. Das sonst sehr hohe Aufkommen hat inzwischen sehr nachgelassen.
Die Formica kommen dort eher auf den Sonnen zugewandten Seiten vor. Auf den Parkplätzen mit Rasengittersteinen. Lasius eher auf den offenen Rasenflächen. Myrmica kommen auch vor, aber eher wenig und sehr versteckt.
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AW: Ameisen und Blattläuse - Beobachtungen an der Haltestelle

Beitragvon Safiriel » 27. September 2014, 11:52

Du kannst Dich gerne anschließen! Sonst wird es ja auch langweilig!

Die Läuse sitzen noch immer in der Arena, niemand interessiert sich für sie.
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Beitragvon trailandstreet » 27. September 2014, 23:15

Ja danke gern.
Was die Blattläuse betrifft, denk ich, wird's für heuer wohl gelaufen sein.
Ich hab allerdings Lasius niger und Formica cunicularia. Da könnte man schon was versuchen.
Evtl auch was mit den Myrmica rubra. Die gehen ja auch an Blattläuse, aber auch gern an Taubnessel usw.
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AW: Ameisen und Blattläuse - Beobachtungen an der Haltestelle

Beitragvon Safiriel » 11. Oktober 2014, 17:41

Gestern wurde der Grünstreifen mit "meinen beiden" Kolonien wieder gemäht. Erstaunlich wie viel Leben dann doch noch auf die Wiese kommt. Konnte ich die letzten Tage kaum eine Ameise beobachten, und wenn dann Lasius cf. niger oder Formica cf. fusca, so wuselten gestern die Myrmica cf. rubra umher und reparierten ihr kleines Hügelchen. Es ist unglaublich, wie viele Proteine da eingetragen wurden! Beim Mähen ging wohl so manches Insekt zugrunde und so wurde fleißig weggeschleppt.

Da bleibt natürlich die Frage: Wo bekommen die denn die Zuckermenge her? Ja klar, von der Trophobiose, aber gesehen habe ich davon nichts. Da müssen noch Horden von Läusen versteckt liegen!
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AW: Ameisen und Blattläuse - Beobachtungen an der Haltestelle

Beitragvon Der » 13. Oktober 2014, 21:29

Myrmiken sammeln auch den runtergetropften Saft von Baumlebenden Läusen auf.Oft bei uns auf dem Auto gesehen ,welches unter einem Ahorn steht und dicht befallen von Blattläusen ist. Auch besuchen die Ameisen Blüten, und Blattläuse hab ich auch noch grade heute aufgelesen von einer Kuhmilch (oä)
Oder ein Zuckerbesitzer wie ich einer, geht da Deine Wiese ab .:p
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AW: Ameisen und Blattläuse - Beobachtungen an der Haltestelle

Beitragvon Safiriel » 19. Oktober 2014, 09:19

Ich hatte gestern eine interessante Ameisenbegegnung an der Haltestelle. Ich weiß leider nicht, was das für eine Arbeiterin war. Von der Form her tippe ich auf Formica sp., aber sie war für Formica fusca etwas zu klein, und vor allem lief sie nicht wild wuselig kreuz und quer, aber lest selbst:

Diese Ameise nutzte die verbauten Steine der Haltestelle als Autobahn. Ich verfolgte sie etwa 5 m parallel zur Bordsteinkante. Sie nutzte die Rillen des weißen Streifens als Straße, wich innerhalb der Rillen auf diesen fünf Metern vielleicht 15 cm ab, nicht weiter. Der Grund dafür schien klar: Wenn einer dieser Steine zu Ende war, musste die Ameise an diesem herunterklettern, durch die Rille und an der anderen Seite wieder hoch. Möglichst lange oben zu bleiben verkürzt also den Weg zeitlich enorm.

Richtig baff war ich aber erst, als sie an einer Platte nach etwa 15 cm wieder umdrehte (vermutlich Duftspur zu Ende), und im rechten Winkel abbog. Den direkten Weg Richtung Wiese nahm sie nämlich exakt an der Stelle, an dem ein großer, rechteckiger Gullideckel verbaut ist. Auch hier läuft es sich viel leichter, als wenn sie die kleinen Steine hätte alle hoch und runter laufen müssen. Aber wie ein Römer nutzte diese Ameise die Steine als Straßen mit rechten Winkeln, und nahm den weiteren, aber weniger beschwerlichen Weg anstatt quer zu laufen.

Wie und wo sie an der Wiese angekommen ist, konnte ich dann nicht mehr sehen, endlich kam die Bahn. Zu weit zu ihr heruntergebückt habe ich mich auch nicht. Ich habe kein Problem damit, mich an den Bordsteinrand zu setzen um meine beiden Nester zu beobachten. Man hält mich ob der Haltung vermutlich für depressiv. Aber die Blicke die mich gestern verfolgt haben, wie ich meterweit der einen Ameise hinterher gelaufen bin, hatten schon eine ganz andere Qualität.
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