Messor barbarus - 1x gepusht, 1x barbarisch.

Unterfamilie: Myrmicinae
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#1 Messor barbarus - 1x gepusht, 1x barbarisch.

Beitrag von Safiriel » 22. Januar 2017, 12:49

Hier folgen meine (vielleicht nicht ganz allt├Ąglichen) Erfahrungen mit dieser nicht seltenen Art. In nur wenigen Monaten habe ich mit diesen Ameisen schon einige H├Âhen und Tiefen erlebt. Ich hoffe, so manchem Halter der vielleicht auch in die ein oder andere schwierige Lage ger├Ąt mit diesem Bericht beizustehen.
Hier die obligatorische Artbeschreibung: messor-barbarus-t30396.html
Diese Kolonie stammt ├╝brigens aus S├╝dspanien. Ich richte mich in etwa nach Marbella. Das ist nicht ganz im S├╝den, aber doch ziemlich und ich habe wenigstens eine leichte Vorstellung davon, weil ich mal 2 Tage da war.
marbella.gif
Quelle: http://www.iten-online.ch/klima/europa/ ... rbella.htm

Aber von vorn.
Zun├Ąchst gr├╝ndeten "meine" Messor gem├╝tlich in diesem HB von Sajikii: messor-barbarus-haltungsbericht-v-sajiki-t52333.html Sie sind also seit Juli 2014 in Haltung, das sind gerade ziemlich genau 2,5 Jahre.
Dieser erste Haltungsbericht geht ├╝ber etwa ein Jahr. Zusammenfassend kann ich sagen, dass es wohl eine sehr hektische Gyne ist, die gar nicht gut auf St├Ârungen reagiert. Da ich gerade (dazu kommen wir sp├Ąter) ebenfalls eine Gr├╝nderin hier habe, kann ich das nur best├Ątigen. Selbst wenn ich in der WR zur Wassertankkontrolle die Abdeckung abnehme ohne das RG zu ber├╝hren, wird die Gyne hektisch.
In diesem ersten Jahr wuchs die Kolonie auf etwa 40 Ameisen an und entwickelte mit dieser St├Ąrke ihre erste Media.
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#2 Re: Messor barbarus - weisellos(?), gepusht und barbarisch.

Beitrag von Safiriel » 22. Januar 2017, 13:22

Danach ging es in diesem sajikii-s-logbuch-t54175.html Bericht weiter.
Die Messor barbarus, die jetzt bei mir leben, sind Die Kolonie E.

Etwa 3 Monate sp├Ąter war folgendes zu lesen:
Kolonie E:
Mittlerweile besteht ihr kleines Formikarium nur mehr aus vielen kleinen RG's. Einige dienen als Wassertanks, andere als Brutkammer und die ├Ąlteren mit leeren Wassertanks als Kornkammer oder Chillbase. Auch hier kann man wunderbar erkennen und beobachten, dass die Major-Arbeiterin mehr oder minder ein Allround-Worker und quasi ein Springer (wie wir es in der Arbeit gerne nennen) f├╝r all jene Aufgaben ist. Kein Wassertank bzw. kein Wattepropf ist jetzt noch ein Problem, alles wird zerschreddert und auseinander genommen. Da bleibt kein Wassertropfen mehr ├╝ber! Auch die Futterinsekten werden mit der Kraft eines Bulldozers getragen und zerlegt. Einfach eine Freude! (ach ja, die F├Ąrbung des Major-Kopfes hat sich mittlerweile sehr in schwarz mit einem leichten Rotstich ver├Ąndert)

Was die Arbeitsaufteilung und "├Âffentliche Toiletten in der Arena" angeht, kann ich Sajikii nur best├Ątigen. Allerdings verschm├Ąhen sie bei mir die ins Steckmoosnest eingebauten Reagenzgl├Ąser f├╝r die K├Ârner.

Danach ging es f├╝r die Ameisen in die Winterruhe, die gut verlaufen ist. Das 2. Jahr startete mit etwa 50 Ameisen.

Daf├╝r bekamen sie aber im Januar eine Neuerfindung an Nest, das Hobbock-Nest.
Hobbock Nest.jpg
Hobbock Nest.jpg (16.84 KiB) 2967 mal betrachtet
Hobbocks fertig.jpg
Hobbocks fertig.jpg (16.08 KiB) 2967 mal betrachtet

So sah das Ganze aus, lief aber zun├Ąchst nicht nach Plan, wie ihr am 24.01.2016 lesen konntet:
Gerade sie hatten den Plan, nicht das Beobachtungsnest fix zu beziehen, sondern doch lieber unterhalb der freien Stelle im Steckmoosboden sich einzugraben. Seitdem sie dann aus dem Beobachtungsnest umgezogen sind, habe ich keinen Einblick mehr. Also, das st├Ârt mich auch nicht, Plan war ja auch, dass die Kolonien irgendwann den ganzen Steckmoosboden durchgraben sollen, aber naja, sie zeigen seither eigentlich Null Au├čenaktivit├Ąt. So als w├Ąren nie Ameisen hier eingesetzt worden... auch die K├Ârner werden nicht einmal anger├╝hrt.
Nat├╝rlich entwickle ich seither etwas Sorge... aber im besten Falle w├Ąhlten sie doch noch eine ruhige Winterphase und verlassen vorerst nicht die versteckte Bleibe.


Diesen Teil hatte ich wohl ├╝berlesen:
Blo├č die barbarus... ja ja, da haben sie mir wirklich einen Streich gespielt. Ich sehe nur mehr vereinzelt ein paar Minor-Arbeiterinnen herumlaufen, mehr nicht. Kein Nahrungseintrag, gar nix.
Nur der Aushubhaufen wird immer gr├Â├čer, und mittlerweile keimen schon ein paar Samen, also ja... es wird bunt ^^. (ob ich die Kleinen umsiedeln muss?)
Aus diesem Grund habe ich jetzt spontan mal drei neue Grundkenntnisse f├╝r die Verwendung von Steckmoos festgelegt:
- nicht geeignet f├╝r Ernteameisen jeglicher Gattung (au├čer man bietet ihnen streng geteilte Nestteile an, nicht nur einen Beh├Ąlter)
- Springschw├Ąnze m├╝ssen dazu
- man kann den Stand der Feuchtigkeit anhand des Gewichtes des Hobbocks wunderbar bestimmen und einsch├Ątzen, da ja in diesem Falle das trockene Gesamtgewicht extrem leicht ist

Also ich hab keine Springschw├Ąnze drin und meine einzige Einschr├Ąnkung w├Ąre: Zu Beginn nicht zu feucht halten.

Ende April schienen sie dann doch erst richtig hungrig und wieder aktiver zu werden.

Im September ist die Kolonie dann zu mir gezogen.
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#3 Re: Messor barbarus - weisellos(?), gepusht und barbarisch.

Beitrag von Safiriel » 22. Januar 2017, 13:45

Messor 0916.JPG
Messor Formikarium.JPG
verschm├Ąht.JPG
verschm├Ąht.JPG (20.51 KiB) 2958 mal betrachtet
Zwischenlager.JPG
Zwischenlager.JPG (12.27 KiB) 2958 mal betrachtet
Das waren meine ersten Bilder. Ihr seht, sie haben ein Steckmoosnest, welches sich in einer Lebensmitteldose befindet.
Die Arena verfolgt das Konzept, dass Samen in der Natur auch nicht immer auf der Erde liegen. Sie m├╝ssen sie sich also oben von der Bl├╝te holen. Bis kurz vor der Winterruhe leerten sie fast jeden Tag ein solches R├Âhrchen komplett. Allerdings bevorzugten sie Vogelfutter, nahmen die gekaufte Mischung nur m├Ą├čig und verschm├Ąhten meine Samen vom Balkon komplett.
Bis Oktober vermehrten sie sich pr├Ąchtig und ich hatte viel Freude mit ihnen. Dann begann die Odyssee mit einer toten Gyne. Ich hatte gerade Besuch und der sagte etwas von "ganz gro├čer Ameise die so faul ist, dass sie getragen werden muss".
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#4 Re: Messor barbarus - weisellos(?), gepusht und barbarisch.

Beitrag von Safiriel » 22. Januar 2017, 13:53

Hier meine ersten ├ťberlegungen Anfang November und der Stand der Brut zu dem Zeitpunkt:
Geschlechtstieralarm bei weiselloser Kolonie Messor barbarus

Heute traute ich meinen Augen kaum: Im Nest entdeckte ich einen ersten Hinweis darauf, warum die Gyne verstorben sein k├Ânnte. Tats├Ąchlich arbeitete ein M├Ąnnchen mit. Ich hatte keine Geschlechtstierpuppen bemerkt, aber es gab zuvor doch auch einige gro├če Larven. Zudem kann man bei dem gro├čen Bruthaufen (der bis heute nicht signifikant geschrumpft ist) auch unm├Âglich jede Puppe sehen.
Bislang sah ich nur ein M├Ąnnchen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Arbeiterin so schnell ein unbefruchtetes Ei gelegt haben, was so schnell ausgebr├╝tet worden sein soll. Demnach stammt das Ei f├╝r das M├Ąnnchen von der Gyne.
F├╝r mich ergeben sich hier zwei Theorien:

a) Die Kolonie produzierte bereits erste Geschlechtstiere
Allerdings ist die Kolonie weder gro├č, noch alt. Au├čerdem m├╝sste es dann ja auch Jungk├Âniginnen geben.
Diese m├╝sste ich dann bald bemerken. Daher tendiere ich zu Variante b).

b)Der Gyne ging das Sperma aus
Daher produzierte sie am Ende nur noch unbefruchtete Eier. In diesem Fall m├╝sste ich demn├Ąchst mehr M├Ąnnchen, aber keine Jungk├Ânigin finden. Wurde eine spermaarme Gyne von der Kolonie entsorgt? Verendete die Gyne, weil sie kein Sperma mehr hatte?

Das Verhalten der weisellosen Kolonie begann sich nach etwa 2 Wochen zu ver├Ąndern: Es werden keine K├Ârner mehr eingetragen. Daf├╝r wurde das Nest von allen keimenden K├Ârnern und Kornresten (wie Spelzen) gereinigt. bezeichnenderweise liegen optisch scheinbar intakte Nachtkerzensamen, die sie bislang immer als erstes eintrugen, nun nicht auf dem M├╝llhaufen, sondern nahezu gleichm├Ą├čig in der Arena verteilt. Ich gehe davon aus, dass sie so in der Natur f├╝r die Verteilung von Samen sorgen.
Der Proteinbedarf hat rapide abgenommen, dennoch futtern sie derzeit mehr Proteine als K├Ârner.

Brut1016.jpg
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#5 Re: Messor barbarus - weisellos(?), gepusht und barbarisch.

Beitrag von Safiriel » 22. Januar 2017, 14:25

Was seither geschah:

Ich bestellte zwei Messor barbarus Gynen. Eine davon lie├č ich zur Sicherheit einfach nur abgedunkelt liegen.

Adoptionsversuch
Bei Ankunft der Gynen waren einige Wochen vergangen. Nun k├╝hlte ich die weisellose Kolonie und eine der Gr├╝nderinnen auf etwa 5┬░C herunter.
Ich verband Nest und RG mit einem St├╝ck Schlauch und lie├č alles so im K├╝hlschrank stehen. Am n├Ąchsten Tag stellte ich das Ganze in die unbeheizte K├╝che.
Der komplette Adoptionsvorgang l├Ąsst sich in 4 Abschnitte einteilen:
Beschnuppern und Erstkontakt
Abwechselnd erschienen nie mehr als 3 Arbeiterinnen bei der Gyne im RG.
Dann wurde die Pygm├Ąe erledigt und die Brut verschwand. Ob sie die Brut verspeisten oder als eigene annahmen, wei├č ich nicht. Die Gyne selbst wurde nicht angegangen
Isolation
Ja, sie haben das Reagenzglas mit Nestmaterial komplett verschlossen und die Gyne sa├č allein in ihrem Glas.
Freunde?
Nun zogen einige der Arbeiterinnen zur K├Ânigin. Sie sa├čen bei ihr als w├Ąren es ihre eigenen, und die K├Ânigin legte sogar ein paar Eier.
Krieg und Tod
Am folgenden Tag zogen die im Nest verbliebenen Ameisen gegen die, die zur K├Ânigin gezogen waren in den Kampf. Es war ein Zustand wie im B├╝rgerkrieg und kostete mindestens 30 Ameisenleben. Auch die Gyne blieb nicht verschont, also Plan B.

Pushversuche
Die weisellose Kolonie wurde nun k├╝hler, aber nicht kalt gestellt, die Gr├╝nderkolonie kam noch einmal ins Warme. Nach und nach bekam sie etwa 25 Puppen zugesteckt, von denen etwa die H├Ąlfte ├╝berlebte. Einige wurden vorher aussortiert, andere wiesen Sch├Ąden auf. Vermutlich hatte ich sie besch├Ądigt.

Es hat ├╝brigens mehrere M├Ąnnchen, aber auch Jungk├Âniginnen gegeben. Eine entdeckte ich mit verkr├╝ppelten Fl├╝geln. Den Leichenteilen auf dem Friedhof nach zu urteilen, muss es mindestens 6-7 Gynen gegeben haben.

Die weisellosen Messor habe ich aus Ungeduld geholt. Auch sie sind schon eine ganze Weile in der K├Ąlte gewesen, wenn auch nicht ganz so lang. Ihnen habe ich aber ja zu Beginn immer wieder Brut entnommen, um damit meine bestellten Messor barbarus zu pushen.
Nun haben diese "weisellosen" Messor aber etwa einen halben Teel├Âffel voll Larven, wof├╝r es f├╝r mich nur 3 Erkl├Ąrungen gibt:
1. Sie haben sie vorher versteckt. In diesem Fall kann da schl├╝pfen was will, es kommt aber keine weitere Brut nach.
2. Die K├Ânigin ist doch nicht tot und die tote Gyne, die ich fand war eine Jungk├Ânigin. Dann schl├╝pfen normale Arbeiterinnen und es kommt weitere Brut nach.
3. Irgendjemand legt unbefruchtete Eier und aus allen Larven werden M├Ąnnchen.

Genau das m├Âchte ich herausfinden. Schl├╝pfen nur noch M├Ąnnchen, wei├č ich dass die Kolonie verloren ist und kann die Arena f├╝r die Nachfolger frei machen. Bekomme ich Puppen in allen Gr├Â├čen, aber es kommen keine neuen Eier und Larven nach, werde ich die neuen Messor aus der Winterpause holen und mit den Puppen pushen. Anschlie├čend verfahre ich wie gehabt.
In dem unwahrscheinlichen Fall, dass die Gyne dennoch lebt, habe ich zugleich eine Gr├╝nderkolonie Messor barbarus, als auch eine mit mehreren 100 Individuen und kann im n├Ąchsten Jahr entscheiden, ob ich mich von einer davon trennen kann.

So oder so will ich wissen, was das f├╝r Brut ist. Damit ich rechtzeitig reagieren kann, beginnt das Fr├╝hjahr f├╝r diese Kolonie ein paar Wochen fr├╝her als f├╝r die andere.


Derzeit gibt es etwa einen Teel├Âffel voll Larven.

Die Diskussionen ├╝ber diese Kolonie k├Ânnen in Sajikiis Logbuch wie gehabt weitergef├╝hrt werden sajikii-s-logbuch-t54175-40.html
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#6 Re: Messor barbarus - weisellos(?), gepusht und barbarisch.

Beitrag von Safiriel » 26. Januar 2017, 11:31

Ich h├Ątte nicht gedacht, dass ich schon wieder so schnell mit einem Update dabei bin, aber gestern hat sich mal wieder etwas ge├Ąndert.
Also eigentlich nicht, es war mir nur nicht aufgefallen.
Seht selbst: Das hier ist die Gyne, mit der Sajikii die Kolonie 2014 gestartet hat. er freute sich ├╝ber deren besonders rote F├Ąrbung am Kopf.
Messor barbarus 2.jpg

Dieses Bild habe ich gestern von der toten Gyne gemacht, die ich aufbewahrt habe:
Messor tot.jpg

Hier ist nichts von einem r├Âtlichen Kopf zu sehen. Der Kopf ist wenn man ganz genau im Licht schaut ein wenig heller oder br├Ąunlicher als der Rest des K├Ârpers, aber das war es auch schon.

Ist das der Beweis, dass sie eine (warum auch immer) entfl├╝gelte Jungk├Ânigin aus dem Nest getragen haben und die eigentliche Gyne noch lebt? Oder handelt es sich doch um das selbe Tier?
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#7 Re: Messor barbarus - weisellos(?), gepusht und barbarisch.

Beitrag von trailandstreet » 26. Januar 2017, 12:16

Es k├Ânnte schon sein, dass es sich um das selbe Tier handelt. Immerhin dunkeln sie ja meist noch nach, nach dem Schl├╝pfen.
Bei meiner war anfangs der farbliche Unterschied auch gr├Â├čer.

Hattest Du denn schon Junggynen?

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#8 Re: Messor barbarus - weisellos(?), gepusht und barbarisch.

Beitrag von Safiriel » 27. Februar 2017, 17:06

Zun├Ąchst m├Âchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass die Diskussionen zu diesen HB hier sajikii-s-logbuch-t54175.html statt finden.

Die Messor - Kolonie selbst bekommt heute ein kleines, hoffnungsvolles Update:
Unter den Puppen gibt es eindeutig auch Arbeiterinnenpuppen.
Das hei├čt, es gibt nur noch zwei M├Âglichkeiten:
- Es ist noch alte Brut
- Die K├Ânigin lebt!
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