Mehlkäfer züchten

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Mehlkäfer züchten

Beitragvon Sir Joe » 26. Mai 2017, 19:09

Die Mehlkäferzucht

Der Mehlkäfer (Tenebrio molitor) gehört zur Familie der Schwarzkäfer (Tenebrionidae).

Der so oft in der Terraristik und Anglerbedarf angebotene Mehlwurm, welcher auch für Nagetiere und Vögel interessant ist, schmeckt auch vielen unserer Ameisen ganz gut. Besser angenommen als der „Wurm“ im Larvenstadium, wird meist die Mehlkäferpuppe oder der Käfer selbst. Da diese als solche eher selten im Laden um die Ecke zu kaufen sind, ist das schon ein gutes Argument für eine Mehlkäferzucht.

Aber der Mehlkäfer bietet noch mehr Vorteile in der Zucht:

- simple Haltung
- günstige Anschaffung
- günstige Haltung
- geringe Geruchsbelästigung
- kein Lärm
- kein Ausbruchschutz notwendig
- kein Deckel notwendig

Das aufwendigste ist meiner Einschätzung nach das aussortieren der Puppen und der toten Tiere, was man regelmäßig machen sollte aber fangen wir erstmal von vorne an.

Was wird benötigt:

- 3 Behälter für die einzelnen Stadien des Mehlkäfers.

Hier reichen gewöhnliche Plastikboxen aus. Die Größe der Boxen sollte dem Bestand angepasst sein. Als guter Einstieg für eine kleine Schale Mehlwürmer aus dem Zoohandel, sind Boxen etwa 15 x 20cm zu empfehlen.

- Boden-/ und Nahrungssubstrat.

Hier hat sich günstige Weizenkleie bewährt, diese gibt’s bei uns in der Mühle um die Ecke für 0,90 € das Kilo. Kleie ist das Restprodukt der Getreideverarbeitung, auch andere Sorten wie Hafer, Roggen oder Mais sind als Bodensubstrat geeignet. Auch wenn es der Name vielleicht vermuten lässt, gehören Mehlwürmer nicht in Mehl gezüchtet. Für die Zucht ist Mehl eher ungeeignet da es zu staubig ist. Aus demselben Grund würde ich auch von Haferflocken abraten.

- Gelegentlich Bioabfälle aller Art.

Die Liste der verwertbaren Reste ist lang. Insbesondere stärkehaltige Lebensmittel wie z. B. Kartoffeln sind gut geeignet. Ungeeignet sind Reis oder Nudelreste. Diese werden zwar Anfangs auch gefressen, werden allerdings beim austrocknen sehr hart, nicht mehr verwertet und sind anschließend schlecht auszusortieren. Verfüttert man Obst, sollte dieses nur in Maßen geschehen, um eine zu starke Geruchsentwicklung entgegen zu wirken.

- Und natürlich Mehlwürmer.

Diese bekommt man im Zoohandel, teilweise in Baumärkten, im Reifeisenmarkt oder im Angelbedarf.

Ein Deckel wird nicht benötigt. Die Mehlkäfer können theoretisch fliegen, machen dies jedoch nie. Ich hab mal gelesen, dass wenn überhaupt die frisch geschlüpften Käfer dazu neigen etwas abzuheben, allerdings habe ich das noch nie beobachten können.

Der Kreislauf kann beginnen:

Die erste Box wird mit dem Bodensubstrat etwa 3-5cm gefüllt und die Mehlwürmer hinzugegeben. Wenn bis zur Oberkante noch etwa 5cm Luft sind, braucht man sich um einen Ausbruch der Tiere, auch ohne Deckel, keine Gedanken machen.

Die gekauften Melwürmer sind in der Regel schon recht groß und brauchen nicht mehr lange bis zur Verpuppung. Die Puppen liegen meist an der Oberfläche, werden aussortiert und in die zweite Box gegeben.

In der zweiten Box brauchen wir kein Bodensubstrat. Die Puppen werden quasi zwischen geparkt, bis aus ihnen der fertige Mehlkäfer schlüpft. In der Regel dauert dies 1 bis 2 Wochen. Die Mehlkäfer sind Anfangs noch sehr blass und brauchen, länger als bei Ameisen, mehrere Tage bis sie restlos gefärbt sind.

Die dritte Box wird, genauso wie die erste Box, mit Bodensubstrat befüllt. Hier kommen alle geschlüpften Mehlkäfer aus der zweiten Box rein. Die Mehlkäfer haben meist nur eine Lebenserwartung von etwa 1 ½ bis 2 ½ (höchstens vier) Monaten. In dieser Zeit paaren sich die Käfer und das Weibchen legt ca. 100 – 200 Eier auf den Boden der Box. Wenn alle Mehlkäfer verfüttert oder aufgrund der kurzen Lebenserwartung gestorben sind, hat man quasi wieder eine Box Nr.1 in der nur noch Mehlwürmer vorhanden sind und der Kreislauf beginnt von vorne.

Zur Anzahl der Boxen sei noch gesagt: Wenn nicht genug Tiere aus der Zucht entnommen werden, ob als Larven, Puppen oder Käfer, wird sich die Anzahl immer weiter vergrößern und neue Boxen sind notwendig.

Kurze Zusammenfassung der einzelnen Boxen:
Box Nr.1 ist für die Larve des Mehlkäfers, dem Mehlwurm, gedacht.
Box Nr.2 ist für die Puppen, braucht kein Bodensubstrat und dient nur als Zwischenlager.
Box Nr.3 ist für die Mehlkäfer, diese legen Eier und werden anschließend aussortiert, bis nur noch Mehlwürmer vorhanden sind und daraus wieder eine Box Nr.1 wird.

Ist ein aussortieren nötig?
Ja, denn der Mehlkäfer und seine Larven sind kannibalistisch, werden sie nicht von den Puppen getrennt, werden diese angeknabbert oder gänzlich aufgefressen. Es kommt zu Missbildung oder Tot.
In der Zucht wird es immer einen gewissen Anteil an Ausfällen geben. Um die Gefahr von Krankheitserregern oder Milbenbefall zu verringern, sollte die Zucht sauber gehalten werden. Tote Tiere sind umgehend auszusortieren.

Fütterung:
Die Kleie bildet als Bodensubstrat schon eine gute Grundlage. Gelegentlich sollten Bioabfälle verfüttert werden, um den Wasserhaushalt zu decken. Obst verdirbt schnell und sollte rechtzeitig wieder entnommen werden, um Schimmel und Geruch zu vermeiden. Kartoffel- oder Karottenschalen trocknen nach kurzer Zeit aus und können anschließend gut entnommen werden. Achtung ist bei Lebensmittel geboten, welche mit Insektiziden behandelt wurden. Sollte der Verdacht einer Vergiftung, durch vermehrt tote Tiere in der Box auftreten, sind die gegebenen Nahrungsmittel sofort zu entnehmen. Eventuell sollten die Tiere auch ausgesiebt werden, um das Bodensubstrat zu erneuern. Eine extra Wassertränke ist nicht nötig.

Bilder:

Mehlwürmer von klein bis groß
DSCN1075.JPG


Hier ein frisch gehäuteter Mehlwurm
DSCN1082.JPG


Pupen im Vergleich, die rechte steht kurz vorm Schlupf
DSCN1094.JPG


Mehlkäfer von blass bis vollständig ausgefärbt
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Verschieden große Mehlwürmer bei der Fütterung mit Kartoffelscheiben
DSCN8309.JPG

DSCN8310.JPG


Noch ein paar Infos:

- Die Larve und die Puppe haben am letzten Hinterleibsegment zwei Dornen, mit denen sie versuchen sich gegen Angreifer zu wehren.
- Mehlwürmer sind in der Lage Polystyrol zu verzehren.
- Mehlwürmer und andere Insekten werden in vielen Kulturen als Nahrung verwendet und haben im Bezug zu Rind-, Schwein- oder Hühnerfleisch eine wesentlich bessere Klimabilanz. Von einem Rohverzehr sollte abgesehen werden, da sie den Zwergbandwurm auf den Menschen übertragen können.
- Die Larve häutet sich etwa 10-16 mal vor der Verpuppung.
- Das Wachstum kann bei Bedarf z.B. Urlaubszeit durch niedrige Temperaturen (2-8°C) verzögert werden.

Zum Schluss noch zwei Weblinks zum Mehlkäfer:
Ein Steckbrief a la Wiki Eintrag http://tierdoku.com/index.php?title=Mehlk%C3%A4fer
Ökologische Vorteile gegenüber dem Fleischkonsum http://insekten-essen.info/oekologische ... schkonsum/

Viel Erfolg bei der Zucht und schöne Grüße,
Sir Joe

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