Erfahrungsbericht - Mehrere Kolonien halten

Berichte & Beobachtungen - Meinungen & Fragen [einheimische und exotische Arten]

Erfahrungsbericht - Mehrere Kolonien halten

Beitragvon User3165 » 25. August, 2017, 08:30

Hallo!

Da ich momentan sehr viele Gründerkolonien unterschiedlicher einheimischer Arten habe, und mich nicht entscheiden kann, von welcher ich mich im Zweifelsfalle trennen wollen würde, habe ich mir schon Gedanken darüber gemacht, wie das ganze bezüglich Zeitaufwand nächstes Jahr aussehen wird.

Momentan ist es gar kein Problem, aber wenn die Kleinen nächstes Jahr so richtig durchstarten...

Ich möchte daher in diesem Thread meine Erfahrungen mit der Haltung mehrerer Kolonien mit euch teilen. Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige bin, dem es am Anfang so ergeht. Gleichzeitig ist dies eine Art sehr knapp gehaltener "Sammel-thread", also ein knapp gehaltener Haltungsbericht mehrerer Kolonien, wie er schon von einigen vor mir verfasst worden ist.

Meine bestehenden HB werden natürlich in dem Umfang weitergeführt wie bisher.

Die Kolonien, die momentan auf meinem Schreibtisch in unterschiedlichen (selbstgebauten) Formicarien ihr Unwesen treiben, sind folgende:

- Lasius brunneus
Wird auf jeden Fall weiterhin gehalten, da sie meine allererste Gyne war.
Ca. 12 Arbeiterinnen, 16 Puppen, Larven und Eier

-Lasius cf. niger
Ist meine größte Kolonie bis jetzt, und auch die aktivste.
Ca. 16 Arbeiterinnen, ~14 Puppen, Larven und Eier

-Formica cf. fusca
Diese Art hat bisher die größten Arbeiterinnen, schön anzuschauen, aber noch ziemlich feig.
Ca. 9 Arbeiterinnen, keine Puppen, aber schon wieder/noch ein paar Larven.

-Formica sanguinea
Der Gründungsversuch ist ein bisschen ungewöhnlich verlaufen, aber mal schauen ob was draus wird.
Gyne mit 7 Hilfsameisen und inzwischen einigen Larven und Eiern!

-Myrmica cf. rubra
Sie kann stechen. Und ist orange. Und meine einzige Knotenameise.
2 Gynen (Pleometrose), 2 fette Larven, kleine Larven und Eier.

-Leptothorax acervorum
Kleine und wenige, aber schöne Tiere, "zufällig gefunden".
1 Gyne, 4 Arbeiterinnen, 1 Puppe, Larven und Eier.

-Lasius emarginatus
Ich will unbedingt diese Kartonnester sehen!
Gyne mit 1 Arbeiterin, Puppen, Larven und Eiern.

-Chthonolasius Gründungsversuch
Eine Lasius cf. niger Gründerkolonie, die noch vor dem Schlüpfen der ersten Arbeiterinnen mit einer Chthonolasius Gyne "erweitert" worden ist. Nach anfänglichen Kämpfen herrscht momentan Harmonie.
1x Lasius cf. niger Gyne, 1x Lasius cf. umbratus Gyne, 9 L. niger Arbeiterinnen, Puppen, Larven und Eier (L. niger).

Außerdem habe ich noch eine Temnothorax Gyne und zwei (Pleometrose) Lasius flavus Gynen in der Gründungsphase, die ich allerdings nur behalten möchte, wenn das Chthonolasius-Experiment fehlschlägt. Wenn nicht, habe ich schon einen Plan für die junge Chthonolasius-Kolonie, der wird aber frühestens übernächstes Jahr umgesetzt. Vorausgesetzt, die Kolonie schafft es so lange und ich kann's mir merken :p

-----

"Aufwandstatistik"

Futter(für alle Kolonien zusammen)

- 4 große Fliegen, eingefroren (geschlüpft aus Angelmaden) halbiert. F. sanguinea, F. fusca, L. niger, L. brunneus
- 4 Fruchtfliegen, eingefroren oder frisch gefangen. M. rubra, Leptothorax
- ein paar Tröpfchen Honig (alle)

Das ganze wird alle zwei bis drei Tage erneuert, wobei ihr Hunger schon weniger zu werden scheint.
Müll wird vor der Fütterung aus der Arena entfernt.

Zeitaufwand

Leider kann ich nicht genau sagen, wie lange dieser Vorgang dauert, da ich zwischendrin sehr lange einfach nichts tue und die Tiere beobachte. Das nächste mal achte ich darauf ;)

Kosten bisher

Ca. 65€ Starter Set Arena-Farm-Combi M vom Antstore.
(Im Nachhinein eine eher unnötige Anschaffung. In der Arena ist momentan meine Lasius cf. niger Kolonie, die Farm werde ich allerdings nicht nutzen, da es mit der Winterruhe sonst ein Problem wird. Um das Zubehör bin ich allerdings sehr froh.)

Ca. 20€ für RG.
16x160mm 16 Stk.
12x75mm 25 Stk

Ca. 12€ für durchsichtige Schläuche.
1m 12x16 für Anschlüsse bei den Arenen und Nestern (kleine RG passen perfekt rein)
3m 16x20 für Verbindung von Nest und Arena (große RG und dünner Schlauch passen auch perfekt rein.

Ca. 5€ für eine große Dose Gummibärchen.
Wird heute noch die Arena der Lasius emarginatus werden.

Ca. 3€ für ein Glas Honig.

Maden/Fliegen hab ich als Angler ja immer wieder mal zum Einfrieren parat. Ytong, Gips, Holz und Plexiglas inklusive Werkzeug hat mein Dad praktischerweise immer im Haus.

Summe: Puuh, jetzt wo ich alles so aufschreibe... da hab ich ja doch einiges ausgegeben.
Für die Rechenfaulen unter euch: ein bisschen über 100€.

-----

So, das war's erst mal, keine Sorge, die nächsten Updates werden nicht so lang :p

Für Fragen, Tipps und Kritik bin ich natürlich wie immer offen wie eine Eisdiele am Strand bei warmer Nachmittagssonne. Einfach direkt hier drunterklatschen ;)

Danke für's Lesen!
Liebe Grüße,
Gabs

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Re: Erfahrungsbericht - Mehrere Kolonien halten

Beitragvon trailandstreet » 25. August, 2017, 12:29

Ich hab ja auch ein paar, wobei ich bei ein paar Völkern inzwischen versuche, wie lange ich diese in eher kleinen, aber kompakten Behältern halten kann.
Die Lasius niger im zweiten Jahr machen sich noch ganz gut in der Rocherbox. Wird aber eng.

Der Aufwand hält sich in Grenzen. Die Temnothorax bekommen alle paar Tage miteinander eine Mehlpuppe, während die größeren Völker gleich mal eine handvoll bekommen.

Sonst bekommen sie hauptsächlich Ahornsirup, bei dem ich je nach Bedarf, jeden Tag ein Tröpfchen, bis alle paar Tage eines gebe. Hab ja von Gründerkolonien angefangen, bis zu F cunicularia mit einigen hundert Tieren welche.
Die Formica bringen aber auch eine halb gefüllte Verschlusskappe auf einen Tag leer, wenn es sein muss.

Die Messor könnte man ja fast als Stiefkind sehen, wenn man sie nicht kennen würde. Die haben eine ausreichende Tränke, werden ab und zu wieder mal "gegossen" und dann gibt es auch eine Handvoll Mehlpuppen. Körner bekommen sie recht unregelmäßig, da sie sowieso ein ziemlich gut gefülltes Lager vorweisen können.

Wenn ich keine Zeit habe, dann bin ich auch auf 10 Minuten fgertig, wenns sein muss. Länger dürfte es nicht dauern. Man sieht ihnen aber meist doch noch etwas zu, wirft einen Blick ins Nest (wenns geht) und da ist man schnell mal eine halbe Stunde dort.

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Re: Erfahrungsbericht - Mehrere Kolonien halten

Beitragvon Sir Joe » 25. August, 2017, 14:25

Ja ja die Sammelwut, das geht vielen so zu Anfang. Du hast aber auch eine bunt gemischte Truppe, wirst bestimmt viel Spaß mit ihne haben und ich denke, die ersten zwei Jahre sicherlich nicht überfordert sein (wenn es dir überhaupt irgendwann zuviel wird). Bin gespannt welcher Exot es im Winter sein soll wenn die Anderen am ruhen sind :p

User3165 hat geschrieben:-Myrmica cf. rubra
Sie kann stechen. Und ist orange. Und meine einzige Knotenameise.
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Ich glaube du solltest deine Liste noch mal durchschauen, du hast mehr als nur die eine Myrmicinae ;)

Schöne Grüße

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Re: Erfahrungsbericht - Mehrere Kolonien halten

Beitragvon User3165 » 25. August, 2017, 14:58

Sir Joe hat geschrieben:Ich glaube du solltest deine Liste noch mal durchschauen, du hast mehr als nur die eine Myrmicinae ;)

Schöne Grüße


Oh, hm, da ist mir wohl ein kleiner Fehler unterlaufen, danke für's aufmerksam machen. Die Leptothorax darf man natürlich nicht vergessen, ebenso wie die Temnothorax Gyne...

Und pfff, Sammelwut, als ob... Nein, ich doch nicht, hä... :fettgrins:
Ich bin mir dessen bewusst, ja. Vor allem die Zeit bis zur allerersten Arbeiterin möchte man trotzdem schon mit dem Hobby füllen, und das Sammeln weiterer Königinnen bietet sich da nunmal hervorragend an. Aber nicht nur das Sammeln macht einfach Spaß, es gibt an jeder Art etwas, das mich besonders interessiert, seien es die Nacktpuppen bei Myrmica, die Kartonnester bei Lasius emarginatus, Größe und Färbung, sozialparasitäre Gründungen...

Ja okay, Sammelwut. Wie ich mich kenne, sollte die Motivation allerdings nicht allzu schnell nachlassen ;)
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Re: Erfahrungsbericht - Mehrere Kolonien halten

Beitragvon User3165 » 25. August, 2017, 15:01

Ach ja, Exot für den Winter... ist noch nicht in Planung, wenn ich ehrlich bin, obwohl ich mir sicher bin, dass eine "Brücke" für die WR bestimmt von Vorteil wäre...
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Re: Erfahrungsbericht - Mehrere Kolonien halten

Beitragvon User3165 » 25. August, 2017, 15:10

trailandstreet hat geschrieben:Ich hab ja auch ein paar, wobei ich bei ein paar Völkern inzwischen versuche, wie lange ich diese in eher kleinen, aber kompakten Behältern halten kann.
Die Lasius niger im zweiten Jahr machen sich noch ganz gut in der Rocherbox. Wird aber eng.


Sind sie auch noch im RG Nest??

trailandstreet hat geschrieben:Der Aufwand hält sich in Grenzen. Die Temnothorax bekommen alle paar Tage miteinander eine Mehlpuppe, während die größeren Völker gleich mal eine handvoll bekommen.

Sonst bekommen sie hauptsächlich Ahornsirup, bei dem ich je nach Bedarf, jeden Tag ein Tröpfchen, bis alle paar Tage eines gebe. Hab ja von Gründerkolonien angefangen, bis zu F cunicularia mit einigen hundert Tieren welche.
Die Formica bringen aber auch eine halb gefüllte Verschlusskappe auf einen Tag leer, wenn es sein muss.


Ach ja, da wollte ich generell Mal eine Frage stellen: Sollte man immer so viel füttern, bis nichts mehr genommen wird, oder eher so viel, dass das Futter immer gut besucht ist?

trailandstreet hat geschrieben:Die Messor könnte man ja fast als Stiefkind sehen, wenn man sie nicht kennen würde. Die haben eine ausreichende Tränke, werden ab und zu wieder mal "gegossen" und dann gibt es auch eine Handvoll Mehlpuppen. Körner bekommen sie recht unregelmäßig, da sie sowieso ein ziemlich gut gefülltes Lager vorweisen können.


Ist denn trotzdem was zu sehen in der Arena? Eine Messor-Art würde mich nämlich schon sehr reizen...

trailandstreet hat geschrieben:Wenn ich keine Zeit habe, dann bin ich auch auf 10 Minuten fgertig, wenns sein muss. Länger dürfte es nicht dauern. Man sieht ihnen aber meist doch noch etwas zu, wirft einen Blick ins Nest (wenns geht) und da ist man schnell mal eine halbe Stunde dort.


Verständlicherweise ist das bei mir schon noch ein bisschen mehr... besonders abends, wenn man eigentlich schlafen gehen sollte, weil man am nächsten Tag um 4 raus muss, können schonmal die Minuten wie Sekunden vergehen ... :D
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Re: Erfahrungsbericht - Mehrere Kolonien halten

Beitragvon Sir Joe » 25. August, 2017, 15:14

Na gut, wir schauen mal welche Art noch bei dir einziehen darf, aber wie gesagt, du hast schon eine bunt gemischte Truppe und siehst das ganz richtig, alle habe ihre Eigenarten. Langweilig wird dir sobald nicht werden aber Geduld solltest du trotzdem mitbringen denn deine Kolonien werden auch im zweiten Jahr nicht wie z.B. Pheidole sp. oder manch eine exotische Solenopsis sp. explodieren.

Die Kartonnester reizen mich auch sehr, ich hoffe ich kriege das irgendwie bei meinen Lasius fuliginosus hin.

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Re: Erfahrungsbericht - Mehrere Kolonien halten

Beitragvon User3165 » 25. August, 2017, 15:43

Geduld hab ich genug, glaub ich zumindest.:rolleyes: Sollte mich mal die Langeweile packen, Bau ich einfach ein neues Nest. Irgendwann braucht es bestimmt jemand, wenn nicht ich, dann mein kleiner Bruder, dem ich schon eine Lasius cf. niger Gründerkönigin anvertraut habe, oder ein Freund, dem ich dieses Hobby vielleicht nahebringen kann.

Sir Joe hat geschrieben:Langweilig wird dir sobald nicht werden aber Geduld solltest du trotzdem mitbringen denn deine Kolonien werden auch im zweiten Jahr nicht wie z.B. Pheidole sp. oder manch eine exotische Solenopsis sp. explodieren.


Keine Sorge, mit einer Explosion hab ich auch nicht gerechnet. Wenn die Kolonien in der nächsten Saison mit dem exponentiellen Wachstum weitermachen wie bisher, bin ich schon zufrieden.

Sir Joe hat geschrieben:Die Kartonnester reizen mich auch sehr, ich hoffe ich kriege das irgendwie bei meinen Lasius fuliginosus hin.


Das ist mein Plan mit der Chthonolasius, wenn ich mal ein bisschen Erfahrung gesammelt habe. Das wäre dann die Kolonie, die durch durch mehrere Zimmer verlegte Schläuche läuft :p gibt's da einen Haltungsbericht? Wie lange hast du sie denn schon?
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