Lasius cf. niger von Sir Joe ausgewildert

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Sir Joe

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#1 Lasius cf. niger von Sir Joe ausgewildert

Beitrag von Sir Joe » 29. März 2017, 18:45

Ich möchte euch hier von meinem Versuch einer Auswilderung berichten.

Vorab sei gesagt, eine Auswilderung von Ameisen sollte nur bei einheimischen Arten durchgeführt werden, wenn möglich nahe dem Fundort.

Eines der größten Probleme dabei ist den richtigen Standort zu finden, damit die junge Kolonie nicht gleich von anderen, stärkeren Ameisenkolonien, welche den Platz für sich beanspruchen, überrannt wird. Der Konkurrenzdruck ist groß und der größte Feind der Ameise sind andere Ameisen.

Die Gyne der Kolonie habe ich beim Schwarmflug im Juli 2015 gesammelt. Die Gründung verlief unproblematisch.

Verglichen werden kann die Kolonie mit meinen Lasius cf. niger aus diesem Thread, welche vom gleichen Schwarmflug abstammen und etwa die gleiche Koloniestärke aufweisen dürfte.
zahlungen-meiner-lasius-niger-t55472.html

Die erste Winterruhe hat die Kolonie noch im Reagensglas im Kühlschrank verbracht.

Erst am 28.05.2016 ging der Wassertank zu neige und erste Arbeiterinnen sind darin vorgedrungen. Es hat noch bis zum 07.06.2016 gedauert, bis sich die Kolonie dazu entschieden hat, vom Reagensglas ins Y-Tong Nest zu ziehen.

Die zweite Winterruhe sollten sie in freier Natur erleben.
Am 23.10.2016 wurde der Nestblock unter einer Trittplatte im Garten, wo die Gyne auch aufgesammelt wurde, vergraben. Den Ein- bzw. Ausgang zum Nest habe ich natürlich geöffnet und einen Hohlraum an dieser Stelle gelassen.
Die Temperaturen sind unter 10°C gefallen und die Winterruhe steht bevor. Zuvor hatte ich die Kolonie seit dem 14.10.2016 auf kühlere Temperaturen vorbereitet und sie seither auf dem Balkon geparkt. Ich dachte mir, die einheimischen Arten werden jetzt keinen Überfall mehr wagen und im Frühjahr kann meine Kolonie zeitgleich mit den anderen wieder los starten.

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Hier der ersten Kontrollblick am 12.11.2016
DSCN7852.JPG

An den Scheiben hat sich viel Kondenswasser gebildet. Die Ameisen sind zum Teil in den Zwischenraum der Scheibe und der Trittplatte gewandert. Auf dem Bild nicht zu erkennen, die vielen Ameisen im Hohlraum am Nestblock. Ich vermute den Großteil der Kolonie im unteren Teil des Y-Tong Steins.

Vor ein paar Tage, am 26.03.17 habe ich ein weiteres Mal nach der Kolonie geschaut. Es zeigt sich, dass die Winterruhe gut überstanden wurde und die Kolonie nahe des Nestblocks geblieben ist. Die Unterseite der Trittplatte wurde genutzt, um Gänge und Kammern anzulegen. Es sind viele Larven vorhanden. Die Königin ist vermutlich eine Schicht tiefer. Puppen konnte ich keine entdecken, aber das ist bei meiner Kolonie zuhause, so kurz nach der Winterruhe auch nicht der Fall.

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Das Nest ist jetzt wieder sicher unter der Trittplatte. Ich werde Ende des Jahres, vielleicht auch schon im Sommer, noch mal einen Blick wagen und bin gespannt wie die Kolonie sich bis dahin gemacht hat.

PS: Ich möchte hier bitte keine Diskussion lostreten, bezüglich pro und contra des Auswildern von Ameisen oder der Gefahr einer intraspezifischen Homogenisierung, dazu gibt es schon genug Themen. Was es leider nicht gibt, sind Berichte einer erfolgreichen Auswilderung, zumindest habe ich keine gefunden.

Schöne Grüße aus dem Reich der Ameisen,
Sir Joe
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#2 Re: Lasius cf. niger von Sir Joe ausgewildert

Beitrag von Sir Joe » 11. Mai 2017, 17:07

Leider habe ich keine erfreulichen Nachrichten bezüglich meiner ausgewilderten Kolonie.

Sir Joe hat geschrieben:Der Konkurrenzdruck ist groß und der größte Feind der Ameise sind andere Ameisen.

In der Tierwelt stimmt das ja, aber es zeigt sich mal wieder, dass der Mensch ein weitaus größerer Feind sein kann.

Knapp eine Woche ist es her als ich meinen Eltern einen Besuch abstattete und erschrocken in den Garten blickte. Der Bereich in dem die Ameisen nisten war umgegraben :eek:

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Meinen Vater hatten die Wurzeln der Tanne gestört, weil diese zu hoch über den Boden ragten und beim Rasenmähen im Weg waren. Meine ausgewilderte Ameisenkolonie unter der Trittplatte hatte er schlichtweg vergessen. Nun ja, spätestens als er den Nestblock ausgegraben hatte, hätte er Schluss machen können aber es wurde ohne Rücksicht auf Verluste weiter umgegraben und die Wurzeln der Tanne mit einem Kettenzug raus gehoben.

Ich hab den Nestblock nach meiner Ankunft erstmal wieder verschlossen und versucht unter die Lupe zu nehmen. Es waren noch einige Arbeiterinnen und recht viele Larven vorhanden, aber leider keine Königin zu sehen. Es zeigte sich ja schon bei meinem letzten Kontrollblick Ende März, dass der größte Teil der Kolonie ausgezogen war.

Den Nestblock habe ich wieder mit nach Hause genommen und an einer Mini Arena angeschlossen, von der Königin ist keine Spur zu sehen. Die restlichen Arbeiterinnen kümmern sich weiterhin um die Larven und mittlerweile ist auch schon ein kleiner Haufen Puppen zu sehen.

DSCN0610_.JPG


Ob ich einen Adoptionsversuch zum gegebenen Zeitpunkt versuche oder eine passende sozialparasitäre Gyne in meiner weisellosen Kolonie gründen lasse, weiß ich jetzt noch nicht.

Schade schade jedenfalls :(
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