Gründungen mit Hilfe durch "Pushen"

Allgemeine Fragen und Themen über europäische Ameisenarten.

Re: Gründungen mit Hilfe durch "Pushen"

Beitragvon AntLim » 29. Juli 2019, 15:42

Erstmal sehr schöner Beitrag, die unmissverständlichkeiten wurden ja nachträglich geklärt, mir als Anfänger jedoch stellt sich die Frage, ob man theoretisch nicht bei genügend Puppen und Platz ins unendliche Pushen könnte, dabei sind Arten gemeint die alleine Schlüpfen können, ohne, dass jemand ihnen hilft. Besonders bei sozialparasitären Arten, die eine neue Kolonie übernehmen, indem sie die alte Königin enthaupten und ihren Platz einnehmen sollte das Ausmaß der Kolonie nicht bekannt sein, so das diese in einem riesigen Behälter bei 100.000 Puppen immernoch alles aktzeptieren würden. Die Arbeiterinnen würden schlüpfen und da sie keine Kolo haben herumlaufen bis sie auf die Königin treffen und ihren Geruch annehmen.
Wenn ich jetzt wirres Zeug geschrieben habe oder unmissverständlich wär dann macht mich doch bitte deutlich darauf aufmerksam.
LG euer Anfänger AntLim

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Re: Gründungen mit Hilfe durch "Pushen"

Beitragvon Erne » 1. August 2019, 12:51

Ob es Arten gibt die alleine schlüpfen können, kann ich Dir nicht beantworten.

Puppen wurden von Königinnen betreut, umgeschichtet, bewacht und sauber gehalten.
Daraus resultierend sehe ich eine Begrenzung der möglichen Puppenanzahl.

Königinnen die sozialparasitär gründen, haben nicht das Problem sich um Puppen zu kümmern.
In das Volk in das sie einwandern, gibt viele Arbeiterinnen die sich um alles an Nachwuchs kümmern.
Eine Formica sanguinea Königin wird in der Natur keine Puppen ohne ein dazugehöriges Volk finden.
Ist schon erstaunlich, dass sie die Verhaltensweise entwickelt, selbst Puppen zu betreuen.

Grüße Wolfgang
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Re: Gründungen mit Hilfe durch "Pushen"

Beitragvon Maddio » 1. August 2019, 12:54

Erne hat geschrieben:Eine Formica sanguinea Königin wird in der Natur keine Puppen ohne ein dazugehöriges Volk finden.


Bei Formica sanguinea ist es bekannt, dass sich die Königinnen an Raubzügen ihres Stammnests beteiligen können und dann einige Puppen des überfallenen Nests zusammensuchen, um mit diesen Puppen dann alleine an einem anderen Ort zu gründen. Siehe Eintrag im Ameisenwiki:

2.) Puppenraub: Eine Jungkönigin eignet sich Puppen aus einem Serviformica-Nest an, das bei einem Raubzug von R. sanguinea geplündert wurde,
oder: Es werden bei Plünderung eines Nestes von Hilfsameisen dessen Bewohner getötet und ihre Puppen geraubt.


https://www.ameisenwiki.de/index.php/Formica_sanguinea

LG Maddio

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Re: Gründungen mit Hilfe durch "Pushen"

Beitragvon Erne » 1. August 2019, 13:09

Danke für die Info Maddio.
2.) Puppenraub: Eine Jungkönigin eignet sich Puppen aus einem Serviformica-Nest an, das bei einem Raubzug von R. sanguinea geplündert wurde,
oder: Es werden bei Plünderung eines Nestes von Hilfsameisen dessen Bewohner getötet und ihre Puppen geraubt.

Der Eintrag im Ameisenwiki ist mir bekannt, ohne das zu werten oder anzuzweifeln, würde es mich interessieren wer diesen Eintrag gemacht hat, ob und wie er das selbst beobachtet hat oder woher er das übernommen hat.

Grüße Wolfgang

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Re: Gründungen mit Hilfe durch "Pushen"

Beitragvon Maddio » 1. August 2019, 19:25

Hi Wolfgang,

Erne hat geschrieben:Der Eintrag im Ameisenwiki ist mir bekannt, ohne das zu werten oder anzuzweifeln, würde es mich interessieren wer diesen Eintrag gemacht hat, ob und wie er das selbst beobachtet hat oder woher er das übernommen hat.


Die Quelle ist im Ameisenwiki mit einer Fußnote benannt:
Stitz 1939, Hymenoptera – Formicidae, in Dahl (ed.): Tierwelt Deutschlands, Bd. 37, Jena, 428 S.


Ich selbst habe ebenfalls bereits beobachten können, wie eine Jungkönigin (ohne Flügel) von Raptiformica einem Raubzug ihres Nests gefolgt ist. Ich hatte sie dann bei der Gelegenheit eingesammelt. Den bebilderten Bericht dazu findest du hier:
https://www.ameisenforum.de/maddio-s-exkursionen-t55525.html#p392376

LG Maddio

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Re: Gründungen mit Hilfe durch "Pushen"

Beitragvon Erne » 2. August 2019, 20:54

Maddio wäre sicherlich interessant gewesen, das weitere Verhalten der Königin zu beobachten.

Mit der Quellenangabe, im Bezug für diese Eintragung im Ameisenwiki, komme ich nicht weiter.
2.) Puppenraub: Eine Jungkönigin eignet sich Puppen aus einem Serviformica-Nest an, das bei einem Raubzug von R. sanguinea geplündert wurde,
oder: Es werden bei Plünderung eines Nestes von Hilfsameisen dessen Bewohner getötet und ihre Puppen geraubt.

Kann darauf nicht zugreifen um nachzulesen, für mich keine Möglichkeit ob sich der Eintrag im Wiki daraus ableiten lässt.

Ein paar Gedanken meinerseits, wie könnte ein derartiger Puppenraub einer Formica sanguinea Königin ablaufen?
Eine Jungkönigin schwärmt, wird begattet und landet wieder.
An für sich ein ganz normaler Ablauf.
Für mich daraus resultieren, wie könnte die Königin ihr eigenes Nest wiederfinden.
Luftströmungen und Wind könnten sie weit abdriften lassen.

Weiter gedacht, wo landet sie auf der Erde?
Kann sie mögliche „Spendervölker“ vorab ausmachen um dort zu landen?
Vorausgesetzt, dass ihr das möglich ist, denke da an Pheromone die mögliche „Spendervölker“ unbewusst abgeben (nicht als Orientierung für eine Formica sanguinea Königin gedacht) die sie leiten könnten, dass sie solche Völker finden kann.

Besteht diese Wahrnehmung, sehe zwei Vorgehensweisen.
1. Eindringen in ein „Spendervolk“ und Puppenraub.
2. Puppen rauben bei Formica sanguinea, die ein anderes Volk überfallen wie z. b. Formica fusca

Wie Ihr sicherlich nachvollziehen könnt, eine überaus interessante Materie mit vielen Fragen.

Eindringen in ein „Spendervolk“ und Puppen rauben:
Mit der Annahme das es einer Königin gelungen ist, ein Spendervolk zu finden, wie könnte es sich weiter entwickeln?
Zwei Voraussetzungen würde ich vermuten, die Königin muss in der Nähe des „Spendervolkes“ eine Nestmöglichkeit finden.
Sie muss es hinbekommen, in das „Spendervolk“ einzudringen ohne angegriffen zu werden oder getötet zu werden.
Das muss sie vielfach hinbekommen, sie kann jedes Mal nur eine Puppe mitnehmen.

Puppen rauben bei Formica sanguinea, die ein anderes Volk überfallen:
Was muss da alles an Zufällen zusammen kommen?
Ein Formica sanguinea Volk überfällt ein Ameisenvolk und führt einen Raubzug durch.
Eine Formica sanguinea Königin die zur gleichen Zeit vor Ort ist, in der Nähe ihre Gründungskammer hat, legt sich auf die Lauer um Puppen zu erbeuten.
Setzt die Natur auf derartig viele Zufälle?
In dem allgemeinen Durcheinander das da abläuft, für mich nicht ausgeschlossen, dass sie dabei an Puppen kommt.
Allerdings auch hier, sie kann jeweils nur eine Puppe mitnehmen und muss sich mehrfach in die Gefahr begeben, angegriffen und getötet zu werden.

Soweit meine Gedanken, die bei mir dazu führen, über Geschriebenes in den Foren nachhaltiger nach zu denken.

Grüße Wolfgang
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Re: Gründungen mit Hilfe durch "Pushen"

Beitragvon Maddio » 2. August 2019, 21:35

Hi Wolfgang,

Erne hat geschrieben:Mit der Quellenangabe, im Bezug für diese Eintragung im Ameisenwiki, komme ich nicht weiter.

2.) Puppenraub: Eine Jungkönigin eignet sich Puppen aus einem Serviformica-Nest an, das bei einem Raubzug von R. sanguinea geplündert wurde,
oder: Es werden bei Plünderung eines Nestes von Hilfsameisen dessen Bewohner getötet und ihre Puppen geraubt.



Kann darauf nicht zugreifen um nachzulesen, für mich keine Möglichkeit ob sich der Eintrag im Wiki daraus ableiten lässt.


Die naheliegendste Möglichkeit ist nun, sich Zugang zu dem entsprechenden Titel aus der Fachliteratur zu verschaffen. In einer gut sortierten Uni-Bibliothek dürfte das Buch zu finden sein, heute geht es auch oft schon mit ein paar Klicks im Internet. Einige Unis versenden auch Bücher, falls in deiner Nähe keine Universitätsstadt ist.

Unter folgendem Link findest du eine Liste der Publikationen von Stitz:
https://www.antwiki.org/wiki/Stitz,_Hermann_(1868-1947)

Viel Erfolg beim weiteren Recherchieren,
Maddio
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Re: Gründungen mit Hilfe durch "Pushen"

Beitragvon Erne » 8. September 2019, 10:49

Was ist geworden?
So richtig kann ich die Frage nicht beantworten.
Die Camponotus ligniperda machen in etwa das, was ich erwartet habe.
Es ist nichts mehr passiert, alle Puppen sind geschlüpft und sie bereiten sich auf die kommende Winterruhe vor.
Die Königin scheint voll integriert zu sein, verhält sich passiv im Volk.
Eier hat sie keine gelegt.

Camponotus ligniperda _1.jpg

Camponotus ligniperda _2.jpg

Ganz andere Beobachtungen der Formica sanguinea Königin im Formica fusca Volk.
Das läuft ganz und gar nicht nach meinen Vorstellungen.
Konkreter definiert, das könnte richtig daneben gehen.
Wie bei den Camponotus ligniperda sind alle Puppen geschlüpft.
Die es nicht geschafft haben, habe ich wahrscheinlich beim Einsammeln verletzt.
Alles sah gut aus, die Formica sanguinea Königin wurde voll angenommen, immer umringt von Formica fusca Arbeiterinnen,
keinerlei Feindseligkeiten zu beobachten, was auch heute noch Sachlage ist.

Formica fusca _1.jpg

An für sich die Entwicklung die von mir erwartet wurde, was sollte da noch schieflaufen?
Genau kann ich es jetzt zeitlich nicht mehr beziffern, etwa 14 Tagen nachdem die ersten Formica fusca Arbeiterinnen geschlüpft waren,
gab es mehrere Eipakete, aus denen mehr als 100 Larven geschlüpft sind.
Formica sanguinea und Formica fusca können durchaus schnell sein, wenn es darum geht ihren Nachwuchs aufzuziehen.

Formica fusca _2.jpg

Formica fusca _3.jpg

Formica fusca _6.jpg

Wie zu sehen, nur Nacktpuppen, gut das kann an dem Kunststoffnest liegen, das ich ihnen als Nest zugedacht habe.
Die erste Überraschung die mir zu Teil wurde, die geschlüpften Formica sanguinea Arbeiterinnen waren winzig,
nicht größer als Formica fusca Arbeiterinnen.

Formica fusca _4.jpg

Formica fusca _5.jpg

Bei der Größe die Formica sanguinea Arbeiterinnen erreichen, komme ich in die Versuchung sie als Pygmäen zu klassifizieren.
Gut was so ist, ist halt so.

Meine Freude über den Neuzugang an Arbeiterinnen, fand einen unerwarteten Dämpfer.
Die Arbeiterinnen sind ganz normal geschlüpft, mit Hilfe der Formica fusca Arbeiterinnen.
Sahen komplett und ganz normal aus, jedenfalls soweit ich das beobachten konnte.
Und dann nahm das Drama seinen Lauf.
Keine der geschlüpften Ameisen hat es geschafft, bis zur endgültigen Ausfärbung zu überleben.
Herumgezerrt, attackiert und am Ende getötet.

Meine Hoffnung, dass sie über den Winter kommen und im Frühjahr Arbeiterinnen überleben lassen.
Auch mit dem Gedanken, mir diese Arbeiterinnen genauer anzusehen, ob ich Formica sanguinea richtig liege.

Grüße Wolfgang

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