14 Monate mit Camponotus nicobarensis - gro├čes Update

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PincoPallino
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#1 14 Monate mit Camponotus nicobarensis - gro├čes Update

Beitrag von PincoPallino » 4. Oktober 2019, 18:07

Hallo zusammen,

hier kommt ein gro├čes Update zu meinen Nicos. Und als kleiner Spoiler vorab: Sie haben ein neues Becken bekommen... Aber eins nach dem anderen.

Seit dem letzten Bericht vor 3 Monaten ist wirklich viel passiert. Damals war die Situation noch entspannt. Das erste Nest war relativ voll, das zweite nur halb und das dritte habe ich ihnen zu dem Zeitpunkt gerade erst angeboten. Doch die Erfahrungen damit waren wichtig f├╝r ihre weitere Zukunft. Denn meine Nicos lieben es offensichtlich, zu graben. Das neue Nest haben sie sich damals schnell nach ihren Bed├╝rfnissen gestaltet und viel Brut rein getragen. Auch in der Arena waren zu der Zeit au├čer zur F├╝tterung nicht viele Arbeiterinnen unterwegs.

Das hat sich dann aber relativ schnell ge├Ąndert und die Bev├Âlkerungszahl ist rasant angestiegen, bei stets gro├čen Brutmengen. Mir war dann ziemlich schnell klar, dass ich bald handeln und ihnen mehr Platz bieten muss. Sie waren wieder schneller als ich dachte! Und da musste ich eine Entscheidung treffen. Entweder wieder anbauen und ihnen ein zus├Ątzliches Nest und eine gr├Â├čere Arena geben oder ihnen gleich die erst f├╝r n├Ąchstes Jahr geplante gro├če und hoffentlich letzte Heimat bauen. Ich habe mich dann schnell f├╝r Variante 2 entschieden. Das bedeutete aber viel Aufwand, angefangen nat├╝rlich beim neuen gro├čen Becken, das ich habe bauen lassen m├╝ssen (auch mit Rahmen und Deckel nach dem Prinzip vom AntStore) und dem generellen Entwurf. Und dann waren so viele Entscheidungen zu treffen: Mit vorgebautem Nest, in das man von au├čen Einblick hat oder doch eher ein nat├╝rliches Setup? Welches Substrat und welche Pflanzen nehme ich? Woher bekomme ich die passenden Steine (das war tats├Ąchlich mit das Schwierigste), usw.? Bis schlie├člich alles fertig war und sie einziehen konnten, war es dann Mitte September und damit eigentlich schon viel zu sp├Ąt.

Das volle Nest 1
Das volle Nest 1
Das volle Nest 2
Das volle Nest 2
Die ├╝berf├╝llte alte Arena
Die ├╝berf├╝llte alte Arena


Auf den Bildern sieht man den Zustand von vor 2 Wochen, also kurz vor dem Umzug. Alle 3 Nester sind voll mit Ameisen und Brut. Alle Verbindungsschl├Ąuche und sonstige Anbauten sind voll und auch die Arena bietet kaum noch ein freies Pl├Ątzchen. Lediglich auf den k├╝nstlichen Pflanzen haben sie sich nie l├Ąnger als n├Âtig aufgehalten (kein Wunder, sind ja schlie├člich auch Wasserpflanzen-Imitate, haha). Ich musste zus├Ątzliche Tannenzapfen in die Arena legen, um mehr Platz zu schaffen und sie f├Ârmlich zu stapeln. Sie hatten tats├Ąchlich kaum noch irgendwo einen cm┬▓ f├╝r sich allein. Ich sch├Ątze die Population zu dem Zeitpunkt auf weit ├╝ber 3.000 Arbeiterinnen (nach nur einem Jahr!). Und sie haben nach wie vor jede Menge Brut in allen Stadien. Ach ja, seit Anfang August habe ich auch k├Âniglichen Nachwuchs und das in immer gr├Â├čer werdender Zahl. Und es gibt immer noch viele riesige Puppen. Au├čerdem stehen sie mittlerweile voll auf Ahornsirup. Davon vertilgen sie jeden Tag 2 Kronkorken voll und st├╝rzen sich wie wild drauf. Zuckerwasser wird seitdem nur noch sehr wenig genommen. Gef├Ąllt mir!

Aber dann kam die Erl├Âsung in Form eines neuen Schlauchs, der pl├Âtzlich ins bestehende System integriert wurde und sie neues Territorium erkunden lie├č.

das neue Becken - 1 m breit
das neue Becken - 1 m breit


Das neue Becken ist 100 x 40 gro├č und 50 cm hoch und damit hoffentlich gro├č genug, f├╝r alles, was noch kommt. Nach meinen Hochrechnungen zur maximalen Population m├╝sste es reichen: Der Gro├čteil der Arbeiterinnen ist seit Februar geschl├╝pft, macht 3 ÔÇô 4.000 in 8 Monaten. Bei einer Lebensdauer von 2 bis 3 Jahren d├╝rften es nicht mehr als h├Âchstens 20.000 werden. Das sind also h├Âchstens 7 mal mehr als vor dem Umzug. Das zum Nisten zur Verf├╝gung stehende Volumen ist demgegen├╝ber jetzt bestimmt 10 bis 15 mal so gro├č. Sollte also reichen, aber sie haben mich diesbez├╝glich schon oft ├╝berrascht.

Auf den anderen Bildern sieht man den Zustand bevor sie eingezogen sind. Auf der rechten Seite habe ich mehr als 30 cm hoch Erde und im linken hinteren Bereich ca. 20 cm aufgesch├╝ttet. Ich habe mir daf├╝r eine Mischung aus Kokosfasern, normaler Blumenerde und Sand-Lehm gemacht. Au├čerdem habe ich Ihnen ein paar Nisthilfen eingegraben. Denn im anderen Becken habe ich gemerkt, dass gr├Â├čere G├Ąnge oder Kammern auch mal einst├╝rzen, weil ich es eher trocken halte. Deswegen habe ich mir ├╝berlegt, wie ich ihnen stabilere Brutkammern bieten kann und habe mich f├╝r ein paar unterschiedliche Varianten entschieden.Zum einen 2 morsche ├äste und einen hohlen Plastikbaumstamm, den ich mal als Deko gekauft habe. Dann habe ich noch einen hohlen Korkstamm, der halb aus der Erde schaut. Au├čerdem habe ich mit Gewindestangen ein paar kleinere Holzplatten im Abstand von ein bis 2 cm in mehreren Lagen ├╝bereinander fixiert. Und als letztes habe ich eine gro├če Digfix-Platte in 10 x 10 cm gro├če Scheiben zerschnitten und die mit Zahnstochern zu einem kompakten St├╝ck verbunden. Die Meisen sto├čen also unterirdisch auf jede Menge ├ťberraschungen. Im morschen Holz sind sie schon. Die Erde halte ich mit ein paar Steinen in Form. Durch die unterschiedlichen Niveaus im Becken entsteht der Eindruck, es w├Ąre gr├Â├čer. Es sieht auch einfach sch├Âner aus. Besser w├Ąre ein noch tieferes Becken gewesen, aber daf├╝r fehlte der Platz. Die Pflanzen sind echt und kommen alle mit wenig Wasser aus. Im vorderen linken Teil habe ich es flach wie eine Arena gehalten, aber auch da graben sie schon. Hinten und seitlich habe ich einen Heizschlauch angebracht. So sollten sie immer die passende Temperatur f├╝r ihre Brut finden.

Es hat dann auch nur ein paar Minuten gedauert, bis die erste mutige Arbeiterin die neue Umgebung erforscht hat. Und nach ein paar Stunden waren schon hunderte am Erkunden und Graben. Dann haben sie 3 Tage und N├Ąchte lang in allen Bereichen des Beckens gegraben. Sie haben wirklich Unmengen an Erde und Totholz in der Arena verteilt. Das habe ich nach und nach mit einem L├Âffel raus geholt, sonst w├Ąre sie jetzt 10 bis 20 cm h├Âher. Seitdem graben sie fast kaum noch und sind innerhalb von 3 N├Ąchten mit 90 % der Arbeiterinnen und Brut und nat├╝rlich der K├Ânigin umgezogen.

2 der alten 3 Nester sind bereits komplett verlassen worden. In dem anderen sind nur noch die gro├čen k├Âniglichen Puppen und ein paar Arbeiterinnen, die sie versorgen. Die alte Arena ist auch so gut wie verlassen.

Ich habe kaum zu hoffen gewagt, dass das so gut und schnell funktioniert. Sp├Ątestens in ein paar Wochen kann ich die letzten alten Teile bestimmt ganz abklemmen. Das neue Becken scheint ihnen zu gefallen. Naja, und gef├╝ttert wird nat├╝rlich auch nur noch da. Das hat bestimmt geholfen.

Im neuen Setup f├Ąllt jetzt doch viel deutlicher ihre Nachtaktivit├Ąt auf. Wenn tags├╝ber nichts besonderes passiert, sind h├Âchstens 50 Ameisen drau├čen zu sehen. Und der Umzug wurde immer erst am sp├Ąteren Abend wieder aufgenommen. Ihre aktivste Zeit ist so zwischen 20 und 3 Uhr. Es ist ├╝brigens ein echt cooler Anblick, wenn sie nach und nach mit Brut und Prinzessinnen durch die Schl├Ąuche ├╝ber die Br├╝cke ins neue Nest laufen und dann darin verschwinden. Das k├Ânnte ich mir t├Ąglich stundenlang anschauen. Nur bei meinen Nicos werde ich wohl keine Gelegenheit daf├╝r mehr bekommen. Ich glaube nicht, dass die nochmal umziehen. Ich muss mir also unbedingt neue Ameisen zulegen. Platz habe ich ja auch bald wieder.

Hat da vielleicht jemand einen Tipp f├╝r mich? Eigentlich will ich ja auch mal ganz andere Ameisen haben, wie z.B. Pheidole mit den riesigen Soldaten, auf denen die anderen reiten oder Blattschneider, aber bei meinen Wunschkriterien lande ich ganz oft wieder bei anderen Camponotus-Arten. Sie sollten keine Winterruhe halten, nicht zu klein und klimatisch mit meinem Wohnzimmer kompatibel sein (vor allem m├Âchte ich mich nicht st├Ąndig um eine hohe Luftfeuchtigkeit k├╝mmern m├╝ssen, habe hier immer so 50 bis 60 %). Au├čerdem sollte das Volk etwas gr├Â├čer werden k├Ânnen. Bei vielen Arten ist das ja auf einige 100 begrenzt. So etwa in der Gr├Â├čenordnung von 5 bis 20.000 Arbeiterinnen, also wie bei meinen Nicos, sollte es schon sein. Kaste der Arbeiterinnen ist nicht gleichf├Ârmig, sondern zeigt in Gr├Â├če und/oder Aussehen zum Teil stark variierende Imagines. Diese Unterkasten werden als Minor, Media und Major bezeichnet, eine Sonderform bilden die Soldaten. Die Bezeichnungen Minor, Media und Major sind nicht festgelegt und werden h├Ąufig nach Ermessen verwendet">Polymorphismus w├Ąre cool, muss aber nicht sein. F├╝r Blattschneider habe ich leider nicht genug Platz und von Arten, die nur tags├╝ber aktiv sind, h├Ątte ich nicht viel. Bei so vielen W├╝nschen fallen leider einige aus, die ich sonst gerne h├Ątte.

Hat zuf├Ąllig jemand Erfahrungen mit Aphaenogaster longiceps? Zu denen gibt es bzgl. der Winterruhe widerspr├╝chliche Angaben in den verschiedenen Shops.

Und noch eine Frage: zu welcher Tageszeit schw├Ąrmen die Nicos ├╝blicherweise? Morgens?
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#2 Re: 14 Monate mit Camponotus nicobarensis - gro├čes Update

Beitrag von Erne » 5. Oktober 2019, 19:53

Eine sehenswerte Anlage die Du gebaut hast, die hat was. :clap:

Camponotus nicobarensis sind reine ÔÇťFleischv├ÂlkerÔÇť (Ameisen die es in kurzer Zeit auf richtig viele Arbeiterinnen bringen).
Die von Dir beschriebene Entwicklung kann ich gut nachvollziehen, meine sind ebenso abgegangen.
Es k├Ânnte durchaus sein, das Dein neues Setup noch nicht reichen wird.
Wenn Du da eingreifen m├Âchtest, h├Ąnge ihnen den Futterkorb deutlich h├Âher.
Verringertes Futter bremst sie reichlich bei der Brutaufzucht aus.

Nachtaktiv, wie sieht es mit den Temperaturen aus (Tagestemperatur/Nachtemperatur)?

Schw├Ąrmen, meine waren da ├╝berwiegend am sp├Ąteren Nachmittag zu beobachten.
Allerdings schw├Ąrmen sie nur, wenn die Bedingungen passen.
Feines verspr├╝hen von Wasser war bei meinen hilfreich.

Toller Bericht. :clap:

Gr├╝├če Wolfgang

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#3 Re: 14 Monate mit Camponotus nicobarensis - gro├čes Update

Beitrag von PincoPallino » 5. Oktober 2019, 22:47

Hallo Erne,
danke f├╝r dein Lob.

Ich heize nur tags├╝ber, nachts ist die Heizung aus. Ich dachte, das entspricht am ehesten der Natur, wo die Sonne auch tags├╝ber den Boden erw├Ąrmt. Die Temperaturen im Boden sind nat├╝rlich unterschiedlich, je nach Entfernung von der Scheibe. Die Lufttemperatur liegt eigentlich immer ├╝ber 23┬░C und das sollte dann auch die minimale Bodentemperatur sein, oder? Im Sommer auch schon mal deutlich w├Ąrmer.

Wie lange hast du deine denn schon? Kannst du sch├Ątzen, wie viele es sind? Und wie viel f├╝tterst du sie? Gibt's Bilder von deinen hier im Forum?

Eigentlich will ich ja gar nicht, dass sie schw├Ąrmen, aber dass sie das nach Regenf├Ąllen tun, habe ich auch schon gelesen. Ich sch├Ątze, dass sie das aber fr├╝hestens tun, wenn der ganze Nachwuchs geschl├╝pft ist. Das d├╝rfte aber auch nicht mehr lange dauern. Ich halte sie nur eigentlich lieber mit offenem Deckel und ich will nicht irgendwann nach Hause kommen und habe ├╝berall fliegende Ameisen in der Wohnung. (Das ist mir letztens schon mal passiert. An dem Tag habe ich mindestens 10 K├Âniginnen im Wohnzimmer gehabt, 2 davon schon ohne Fl├╝gel. Waren aber zum Gl├╝ck nicht meine. Die waren zu klein und schnell wieder drau├čen. Aber im ersten Moment habe ich echt gedacht, dass meine schw├Ąrmen.) Und der neue Deckel ist echt gro├č und schwer, den kann man nicht mit einer Hand hoch heben. Kann man Inzucht ausschlie├čen? Habe zwar noch nichts davon geh├Ârt, aber Gedanken mache ich mir schon. Ansonsten k├Ânnte man sie auch einfach fliegen lassen. Sie werden kaum wohl kaum andere Geschlechtspartner finden. Keine Sorge, ich lasse sie nicht einfach fliegen... Ich hoffe immer noch, dass sie irgendwo einen gro├čen Prinzessinnen-Friedhof anlegen und es vorbei ist. Die sollen ja nicht so lange leben.

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Erne
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#4 Re: 14 Monate mit Camponotus nicobarensis - gro├čes Update

Beitrag von Erne » 9. Oktober 2019, 10:34

Ob Ameisen auch Nachtaktiv sind bzw. wie aktiv sie in der Nacht sind, besch├Ąftigt mich schon l├Ąnger.
Bei ein paar Arten konnte ich beobachten, dass Nachtaktivit├Ąten stark abnehmen, bzw. kaum noch vorhanden sind, wenn es ein st├Ąrkeres Tag/Nachttemperaturgef├Ąlle gibt.
Deshalb mein Interesse an den Temperaturen.

Bilder hier in Forum, da m├╝sste ich selber erst nachschauen.
Es schon etwas her das ich sie gehalten habe.
Haltungszeit knapp 4 Jahre, z├Ąhlen war nicht mehr machbar.

Camponotus nicobarensis _1.jpg
Camponotus nicobarensis _2.JPG
Camponotus nicobarensis _3.jpg
Camponotus nicobarensis _4.jpg
Camponotus nicobarensis _5.jpg

├ťbers Schw├Ąrmen und Inzucht brauchst Du Dir keine Gedanken machen.
Diese Ameisen m├╝ssen fliegen um sich zu verpaaren.
Ein Deckel auf der Anlage und es ist gut.
Jungk├Âniginnen verschwinden nach einiger Zeit, bei M├Ąnnchen geht das relativ schnell, sie sterben einfach und werden entsorgt.

Beim Futter sind sie nicht w├Ąhlerisch, Fliegen, Heimchen, Grillen, Mehlk├Ąferlarven (get├Âtet), Mehlk├Ąferpuppen, selbst tote W├╝stenheuschrecken sind kein Problem.
Bei einem gr├Â├čeren Volk kommen da beachtliche Mengen zusammen.

Wenn Du Interesse hast, kannst Du hier nachlesen.
https://ameiseninfos.de/html/camponotus ... ensis.html

Gr├╝├če Wolfgang

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#5 Re: 14 Monate mit Camponotus nicobarensis - gro├čes Update

Beitrag von Safiriel » 9. Oktober 2019, 19:33

Dazu kann ich etwas beitragen:
In Uganda liefen nachts oft nicht n├Ąher bestimmte Camponotus herum. Auff├Ąllig waren "W├Ąchter" an bestimmten Schl├╝sselpositionen, die jede Nacht eingenommen wurden. Zum Beispiel an der Hausecke oder Treppe waren solche Punkte. Auch K├Âniginnen fand ich nachts, tags├╝ber eher vereinzelte Arbeiterinnen. Die Tage geh├Ârten eher zahlreichen winzigen Ameisen, die ich abends nicht sah.

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#6 Re: 14 Monate mit Camponotus nicobarensis - gro├čes Update

Beitrag von PincoPallino » 10. Oktober 2019, 21:38

Safiriels Beobachtung ist doch gut nachvollziehbar. Ameisen sind ja schlie├člich auch immer potentielle Beute. Daher sind die gr├Â├čeren Arten nat├╝rlich besser zu sehen und auch viel nahrhafter. Dass sie sich deshalb gern in der Dunkelheit vor neugierigen Blicken verstecken, klingt f├╝r mich absolut plausibel. Wenn sie die Eing├Ąnge zu Ihren Bauten nicht verbergen k├Ânnen, w├╝rden sie die Lage bei starker Tagaktivit├Ąt eher verraten. Und sie verlassen sich sowieso nur auf ihre Nase. Licht brauchen die meisten Arten wohl eher kaum.
Was auch f├╝r die Tagaktivit├Ąt von kleineren Arten spricht, ist, dass ihr Futter im Verh├Ąltnis zur K├Ârpergr├Â├če gr├Â├čer ist. Sie brauchen also mehr Zeit f├╝r Transport oder Zerlegen. Und der Tag ist doch meist l├Ąnger als die Nacht. Wobei, in den Tropen... Das ist aber eine pure Vermutung. Au├čerdem besetzen sie so tags├╝ber die ├Âkologische Nische, die durch die Abwesenheit der gr├Â├čeren Arten entsteht. Vielleicht ist es einfach nur pure Verzweiflung, die sie zur Tagaktivit├Ąt treibt.
Wenn die Temperatur da eine gr├Â├čere Rolle spielen sollte, m├╝sste es meiner Meinung nach nachts deutlich abk├╝hlen. So dass der Energieaufwand nicht mehr effizient ist. Anpassungsf├Ąhig sind die Kleinen ja schon.
@ Erne: Wenn du das wirklich herausfinden willst, probier es doch mal aus. Du scheinst ja immer einige V├Âlker zu haben. Eine coole Seite (ameiseninfos) hast du da ├╝brigens. Nimm eins, das ausgepr├Ągt nachtaktiv ist und es warm mag. Dann stellst du sie in einen deutlich k├╝hleren Raum und heizt alles auf ihre normale Temperatur. Sobald du die Heizung abstellst oder runterregelst, kannst du ein Tag-Nacht-Temperaturgef├Ąlle simulieren und beobachten, was passiert. Ich w├╝rde das mit einem Timer oder Dimmer und nat├╝rlich nur schrittweise versuchen.

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#7 Re: 14 Monate mit Camponotus nicobarensis - gro├čes Update

Beitrag von Serafine » 11. Oktober 2019, 06:03

Viele Camponotusarten sind tendentiell eher nachtaktiv, ebenso wie viele Messorarten, allerdings sehe ich bei uns im Wald auch tags├╝ber st├Ąndig C. ligniperda und C. herculeanus umherlaufen (tats├Ąchlich hab ich dieses Jahr mehr Camponotus als Formica s str (rufa-Gruppe) gesehen) und ich hab letztens erst eine Studie ├╝ber Kleptobionten gelesen, da ging es um kleinere V├Âgel, die Camponotus barbaricus Ameisenstra├čen belagern und von den Arbeiterinnen getragenes Futter stehlen, das d├╝rfte wohl auch eher tags├╝ber stattfinden.

Fra├čdruck durch V├Âgel k├Ânnte ein Grund sein, warum diese gro├čen Ameisen tendentiell zur Nachtaktivit├Ąt neigen, m├Âglicherweise ist es aber auch einfach eine Spezialisierung - man geht den anderen tagaktiven Ameisenarten nicht lokal aus dem Weg, sondern temporal - das ist in Australien zwischen Camponotus consobrinus ("banded sugar ants") und Iridomyrmex purpureus ("meat ants") wohl sehr stark ausgepr├Ągt, wo beide Genera zu unterschiedlichen Tageszeiten praktisch dasselbe Territorium besetzen.

Dass gro├če Ameisen generell nachtaktiv sind bezweifle ich, daf├╝r gibt es genug Gegenbeispiele, (z.B. gro├če Ponerinen und Oecephylla Weberameisen, mit denen man sich besser nicht anlegt).

PincoPallino hat geschrieben:Kann man Inzucht ausschlie├čen? Habe zwar noch nichts davon geh├Ârt, aber Gedanken mache ich mir schon. Ansonsten k├Ânnte man sie auch einfach fliegen lassen. Sie werden kaum wohl kaum andere Geschlechtspartner finden. Keine Sorge, ich lasse sie nicht einfach fliegen... Ich hoffe immer noch, dass sie irgendwo einen gro├čen Prinzessinnen-Friedhof anlegen und es vorbei ist. Die sollen ja nicht so lange leben.

Prof. Buschinger hatte im Antstoreforum mal erw├Ąhnt, dass Messorspezies wohl dazu neigen, sich bei einem Mangel an Paarungspartnern auch mit Mitgliedern der eigenen Kolonie zu paaren. Da w├Ąre es recht offensichtlich anzunehmen, dass das auch bei anderen Genera vorkommen kann (wobei bei vielen Arten der Flug wohl notwenig ist um eine Paarung auszul├Âsen, d.h. im Becken werden die sich nicht verpaaren).
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#8 Re: 14 Monate mit Camponotus nicobarensis - gro├čes Update

Beitrag von Maddio » 11. Oktober 2019, 10:45

Serafine hat geschrieben:Dass gro├če Ameisen generell nachtaktiv sind bezweifle ich, daf├╝r gibt es genug Gegenbeispiele, (z.B. gro├če Ponerinen und Oecephylla Weberameisen, mit denen man sich besser nicht anlegt).


Ich denke auch, dass es doch ein bisschen zu einfach ist, die Aktivit├Ątsmuster einer Ameisengattung ausschlie├člich an der Gr├Â├če der Individuen festmachen zu wollen.

Daf├╝r ist die Streuung innerhalb der Gattungen zu gro├č. So sind z.B. Camponotus vagus ausgepr├Ągt tagaktiv. Oder man denke an Blattschneider- und Treiberameisen, die teils sehr gro├če Arbeiterinnen haben und trotzdem ausgepr├Ągt tagaktiv sind.

Ein anderes Merkmal neben der K├Ârpergr├Â├če ist wohl die Gr├Â├če der Augen. Viele Formica-Spezies haben z.B. recht gro├če Augen und sind damit f├╝r ein Leben an der Oberfl├Ąche und bei Tageslicht gut angepasst. Formica sind aber deutlich gr├Â├čer als Lasius-Arten.

Das aber auch die Gr├Â├če der Augen keinen Aufschlu├č ├╝ber Aktivit├Ątsmuster geben kann, wird klar wenn man sich innerhalb der Gattungen genauer umsieht. So haben Lasius flavus schlecht entwickelte Augen, weil sie haupts├Ąchlich unterirdisch leben. Lasius fuliginosus lebt hingegen ausgepr├Ągt an der Oberfl├Ąche, bildet stark belaufene Stra├čen, ist tagaktiv. Ihre Augen sind aber auch recht schlecht entwickelt, im Vergleich zu den gr├Â├čeren Formica.

Zusammengefasst sind die Zusammenh├Ąnge wohl doch etwas komplexer, als dass sie sich allein auf ein Merkmal wie K├Ârpergr├Â├če oder Gr├Â├če der Augen reduzieren lassen.

LG Maddio
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