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von Serafine » 28. Mai 2020, 17:06
Das Problem mit Solenopsis invicta ist zum einen die invasive Natur der Art - sie kann sich bei uns wahrscheinlich noch nicht fest etablieren, allerdings gibt es in den USA die Entwicklung, dass sie zunehmend kühleres Bergland erobert, und ich würde es auch nicht komplett ausschließen, dass sich eine Kolonie bei uns in einem Wohnblock oder im Innenbezirk einer Großstadt festsetzt (die Kosten für die Beseitigung möchte ich da nicht bezahlen). Mittlerweile ist ausreichend erforscht, dass sich die überwältigende Mehrheit tierischer und pflanzlicher Invasoren erstmal in der Nähe menschlicher Siedlungen (Wohnhäuser, Innenstädte, Vorgärten) akklimatisiert, bevor sie zum großen Eroberungsfeldzug starten. Das war auch bei der importieren Feuerameise so und wenn sie sich erstmal bei uns festsetzt ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie von den Innenstädten in Wald und Wiesen expandiert. Von der einheimischen Ameisenfauna wird in dem Fall praktisch nichts mehr übrig bleiben - du kannst ja mal Leute aus Südtexas fragen, die fangen zu 99,99% invicta-Königinnen, was anderes gibt es praktisch nicht mehr.
Zum anderen entwickelt sich die Art zu einer klassischen Tramp-Ameise - sehr hohe Dichte an Königinnen, die größeren Arbeiterinnen fallen zunehmend weg, da ist eine Kälteanpassung auch nur eine Frage der Zeit. Wir hatten hier in letzter Zeit einige Leute mit Pharaoameisen im Haus, die hatten genug Probleme, auch ohne dass die Ameisen ihnen eitrige Pusteln gestochen haben. Eine weitere invasive Hausameise brauchen wir in Europa wirklich nicht.
Und zuletzt... die Leute sagen immer "hach, ich hab schon X Jahre Erfahrung mit Insekten und Reptilien und Spinnentieren" - und sind letztlich dann oft doch überfordert mit einer Ameisenkolonie, die 11.000 Eier pro Woche legt und handelsübliche Ameisennester einfach mal in 1-2 Wochen komplett besetzt, sich als extrem motivierter und talentierter Ausbruchskünstler erweist und einem schmerzhafte eitrige Pusteln in die Haut sticht.
Letztes Jahre hatten wir im Discord Dutzende Leute aus den Süd-USA, die ihr Glück mit invicta versuchen wollten (teils aus Interesse, teils aus Verzweiflung weil die Art alle anderen Ameisenarten in der Umgebung ausgerottet hat), und ich hatte mich schon auf längerfristige Haltungserfahrungen gefreut - mittlerweile hat keiner mehr seine Kolonie. Auch von den Youtubern, die mit großem Tamtam die Art auf ihren Channeln vorgestellt haben, hört man in der Regel spätestens nach 3-4 Monaten nichts mehr, mal abgesehen von Mikey Bustos, der seine eigene Formicarienfabrik hat (und ja, ich weiß, dass er Solenopsis geminata hält, aber die Unterschiede zu invicta sind ziemlich gering). Auf Formiculture hatte mal jemand eine ausgewachsene Kolonie, die hat eine große Dose Hundefutter pro Tag (!) verdrückt.