Neue Kolonie, welche Art?

Allgemeine Fragen und Themen über europäische Ameisenarten.
BrisANT
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#1 Neue Kolonie, welche Art?

Beitrag von BrisANT » 10. Oktober 2018, 21:57

Hallo,

ich habe bereits eine Lasius niger Kolonie, jedoch würde ich gerne noch eine andere Art halten. Meine Wünsche sind sehr speziell, bzw. viele auf einmal:

Sie sollten relativ groß sein,
wenn auch nicht in der Zahl,
ein kurze oder sogar keine Winterruhe,
relativ aktiv und am besten auch noch günstig (unter 30 Euro) .
Momentan tendiere ich Richtung Rossameise, bei dieser stört mich jedoch die lange Winterruhe...

Dazu noch eine Frage: Welches preisgünstige und trotzdem gute Nest ist zu empfehlen? Diese Gelnester sollen ja maximal die ersten Monate reichen und sind auch nicht gerade natürlich...

Wenn das zu viele Fragen sind, tut es mir leid :clap:
Wenn nicht, vielen Dank!

Viele Grüße
Jan / BrisANT

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#2 Re: Neue Kolonie, welche Art?

Beitrag von Ameisenstarter » 10. Oktober 2018, 22:36

Hallo BrisANT.

Große Ameisen ohne Winterruhe, da ist die Auswahl bei 30€ schon sehr sehr gering.

Je nachdem, wie du kurze Winterruhe definierst, hadert es wohl immer an einem deiner Wünsche.

Am ehesten trifft es wohl eine Camponotus sp., wo die meisten Arten zu deinen Wünschen passen mit Ausnahme der Koloniegröße.

Camponotus nicobarensis oder Camponotus japonicus sind recht preisgünstige Arten ohne Winterruhe.

Südeuropa bietet auch Arten mit etwas kürzerer Winterruhe. Hier käme zum Beispiel Camponotus cruentatus in Frage.
Was auch vielleicht etwas wäre, aber eben auch große Kolonien ausbildet, wäre eine Messor sp.


Bezüglich des Nestes... Gelnester sind absoluter Schwachsinn, sowas hat für mich keinen Sinn für die Haltung von Ameisen. Eher würde ich z.B. Ytong- oder Gipsnester, die man sehr preisgünstig auch selbst bauen kann und recht praktisch in der Handhabung sind (meiner Meinung nach), raten.


Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen. Zu Camponotus nicobarensis findest du meinen HB in meiner Signatur, solltest du dich für diese interessieren.


Liebe Grüße :)
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Oleg
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#3 Re: Neue Kolonie, welche Art?

Beitrag von Oleg » 11. Oktober 2018, 11:10

Hallo

Wenn dich die > 30€ stören: Mit einer größeren Art mit eine starken Kolonie wirst du auch über kurz oder lang ein größeres Nest benötigen, eine größere Arena und mehr Futter. Die lange Winterruhe von Camponotus herculeanus und die vergleichsweise langsamere Entwicklung geht mit stark wachsenden Ansprüchen mit dem Wachstum der Kolonie spätestens im dritten Jahr einher. Zwar kannst du sie dir eventuell umsonst fangen, aber sie kosten dich trotzdem einiges!

Camponotus herculeanus bevorzugt ein Holznest. Absolut. Ich habe ihnen ein Holznest gebaut, und einen Tag später waren sie mit allem komplett umgezogen und haben ihre Reagenzgläser stehen gelassen, die sie so mühsam mit Fichtennadeln zugestopft haben. Da, räum das mal auf :-) so in etwa. Auch das Holznest kostet etwas, es sei denn du hast Holz, Kreissäge, Bohrmaschine, biegsame Welle, Fräser... alles zuhause.

Wie wäre es mit einer Alternative? Camponotus rufoglaucus feae ist eine wunderschöne afrikanische Art, die Kolonie bleibt klein und du kannst sie die ganze Zeit beobachten. Aber mit 30€ glaube ich, kommst du da nicht hin.

Oder, andere Alternative, eine Formica-Art der rufibarbis-Familie. Sie sind vergleichsweise groß und interessant gefärbt. Du kannst sie im Gipsnest halten, wenn die Kolonie aus den Kinderschuhen heraus ist. Sie mögen übrigen Coca Cola Classic, fürs Leben gerne :-)

Jetzt hast du noch zwei Alternativen, eine europäische Art und eine afrikanische Art.

Viel Spaß!
Oleg

BrisANT
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#4 Re: Neue Kolonie, welche Art?

Beitrag von BrisANT » 13. Oktober 2018, 14:20

Hey,
danke erstmal! Mein Problem sind nicht die 30€ an sich, sondern die "Angst", etwas falsch zu machen und das Geld rausgeschmissen zu haben...

Ich habe zwar in letzter Zeit sehr viel über Ameisenhaltung und so gelesen, aber trotzdem will ich keine Kolonie aus Dummheit umbringen.
Ein Punkt wäre die Beheizung bei Camponotus rufoglacus feae, in einem Haltungsbericht steht zum Beispiel: Ich habe eine kleine Heizmatte, eine Wärmelampe und eine Belüftung. Tagsüber erreiche damit in der Arena eine Temperatur von ca. 26-27° und in der Nacht lasse ich es auf ca. 23-24° abkühlen. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei ca. 30-35%) camponotus-rufoglaucus-feae-haltungsbericht-t57430.html
Da wüsste ich schon nicht so recht weiter...

Ich will mich halt nicht übernehmen, mich paradoxerweise aber auch herausfordern...

Eine Stunde später...
Ich habe mich mal umgeschaut und bin bei Messor barbarus hängengeblieben.
Dazu einige Fragen:
Sie wird nicht als Einsteigerart gehandelt, wieso nicht :confused: ?
In welchen Punkten entspricht sie nicht meinen (hoch angesetzten) Wünschen?
Wenn sie geeignet für mich wäre, was bräuchte ich?
Arena, Gipsnest, Heizmatte (3 Watt?), Thermometer, Körner, und kleine Insekten kamen mir als wichtig in den Sinn, habe ich was vergessen?

Vielen Dank im Vorraus
BrisANT / Jan

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#5 Re: Neue Kolonie, welche Art?

Beitrag von Ameisenstarter » 13. Oktober 2018, 14:51

Wieso wüsstest du bei Camponotus rufoglaucus feae nicht weiter? Eine Heizmatte und eine Zeitschaltuhr (gibt es ab 5€), dann bekommt man eine Temperaturänderung hin.

Messor barbarus ist gut für Anfänger geeignet. Wieso sie teilweise nicht als "Anfänger-Art" gehandelt wird, liegt wohl daran, dass eine leichte Beheizung sinnvoll ist, man einen trockenen (Körner) und einen feuchten (Brut, Ameisen) Nestbereich braucht und die Ameisen sich granivor (von Körnern) ernährt. Ist aber m.E. gut umsetzbar.

Deine "Liste" sieht ganz gut aus, denke aber auch an einen Ausbruchschutz (Talkum, Paraffin, PTFE).
Messor barbarus bildet aber sehr große Kolonien aus, das ist vielleicht ein Problem für dich. Winterruhe halten sie auch, aber kürzer als einheimische Arten.

Liebe Grüße :)
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#6 Re: Neue Kolonie, welche Art?

Beitrag von Unkerich » 13. Oktober 2018, 15:03

Hi,
Messor barbarus ist durchaus gut als Einsteigerart geeignet.
Sie entspricht deinen Wünschen hinsichtlich Größe, kürzerer Winterruhe und dem günstigen Preis für eine kleine Kolonie.
Allerdings können Völker dieser Art sehr groß werden und benötigen demnach auch viel zu Platz.
Welches Nest du verwenden möchtest ist deine Entscheidung, alle haben ihre vor und Nachteile. Wichtig bei Messor sp. ist aber ein gut gesichertes Nest, denn die Majore der meisten Arten, so auch M. barbarus, können sich recht problemlos durch Gips, Ytong etc. beißen.
Empfehlen würde ich persönlich ein internes Gips- oder auch Ytong-Nest, intern deshalb, damit die Tiere bei etwaigem Anlegen von eigenen Gängen dennoch nicht aus der Anlage entkommen können.

Die Regelung der Temperatur ist kein Hexenwerk, ich würde empfehlen eine Heizmatte oder Wärmelampe unter bzw. über Nest und/oder Arena anzubringen, und diese mittels Zeitschaltuhr zu steuern. Die Nachtabsenkung erreichst du durch abstellen jeglicher Heizelemente.
Vor dem Einzug der Tiere sollte die Temperatur in Arena und Nest getestet werden, sie kann (z. B. ) durch die Entfernung der entsprechenden Heizelemente zur Anlage verändert werden.
Für M. barbarus sollte das Optimum in der Arena im Sommer etwa zwischen 24 und 33°C liegen, im Winter sind Temperaturen dauerhaft deutlich unter 20 °C für einige Monate von Nöten, was zum Beispiel in Kellerräumen etc. erreicht werden kann.

Ansonsten hast du bereits recht gut zusammengefasst was benötigt wird, zusätzlich wird aber über kurz oder lang noch ein Ausbruchsschutz nötig, beispielsweise in Form von Talkum oder Pataffinöl.


Grüße

Edit: Oops, zu langsam. Aber doppelt hält besser :D
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Meine Haltungsberichte: Camponotus substitutus, Camponotus socius, Solenopsis fugax

Empfehlenswert ist auch der Wissensteil des Forums

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#7 Re: Neue Kolonie, welche Art?

Beitrag von BrisANT » 14. Oktober 2018, 13:49

Hey,
ich glaube, ich habe mich für Messor barbarus entschieden :clap: !
Ich hab mal mein Gehirn angeschaltet und plötzlich erschien mir die Temperaturregelung gar nicht mehr so kompliziert :andiewand: , weil bei mir sowieso alles mit Zeitschaltuhren vollhängt...

Jetzt überlege ich nur noch, welches Nest ich will. Der Antcube vom Antstore ist (mir zumindest) viel zu teuer. Ich bin noch Schüler und dann würde alles von meinem Ferienjob bei draufgehen. :eek: https://www.antstore.net/shop/de/Ameise ... -5488.html
Ein Kumpel von mir verkauft sein kleines Aquarium (ca. 60 x 30 x 30), viel zu groß als Arena, oder? Und internes Nest? Heißt das, dass das nochmal mit Glas umgeben ist?
Wenn ja, würde ich das https://www.antstore.net/shop/de/Formic ... -5199.html mit wüstengrund befüllen und bei der Arena bin ich mir unsicher, klingt das erstmal gut? :lies:
Und habt ihr ne fertige Arena als Tipp?

Grüße
BrisANT

PS: Danke für die ganzen Tipps!!!

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#8 Re: Neue Kolonie, welche Art?

Beitrag von Safiriel » 14. Oktober 2018, 17:38

Das Aquarium kannst du als Arena verwenden, allerdings würde ich es mit zwei Löchern zur Erweiterung und einem dichten Deckel versehen.

Wenn du eine Farm nimmst, würde ich diese nicht mit Wüstensand befüllen, der eignet sich schlecht zum Nestbau.
Nimm eine Mischung aus Sand und Lehm.

Generell brauchst du noch gar kein großes Nest, deine Kolonie wird sehr wahrscheinlich in einem Reagenzglas ankommen, das reicht erstmal. Für dir Körner kannst du ihnen ja ein zweites Reagenzglas zur Verfügung stellen. Du hast also noch genug Zeit dir ein Nest zuzulegen.

Nicht alle internen Nester sind ummantelt, besonders selbst gebaute nicht. Allerdings würde ich sehr dazu raten, damit du das Nest problemlos herausnehmen kannst wenn du zB. die Anlage vergrößerst.

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